Astro-Aufenthalt in Carona am Luganer-See im Sep.1996

Freitag, den 06.09.:

Treffen von Britta Lohmann, Matthias Elsen, Frank Teske in Eltmann, nahe Bamberg, beim Verfasser. Wir wollten uns um ca. 15-16.00 Uhr hier treffen, um für die Reise einzukaufen. Britta war um 16.00 Uhr da. Das Warten begann. Um 19.30 Uhr, nachdem alle Geschäfte geschlossen hatten, kamen Matthias und Frank. Also ohne Einkauf in die Schweiz! Ich hatte mich schon bei Britta des großen Gepäcks gewundert, meine Klamotten betrugen höchstens 50% von Britta's Gepäckvolumen. Was aber Matthias und Frank anschleppten, konnte fast nur in einem Tieflader bewältigt und bewegt werden. Zum Glück kann ich 1,5 t zuladen. Nach dem Abendessen und einem kurzen Rundgang durch die Firma, meiner Wirkstätte, packten wir alles ins Mobil. Es war wider Erwarten kein Problem! Ich fuhr von 22.00 bis 01.30 Uhr bis 60 km vor den Bodensee. Nach einer Tankpause und einem Disput mit der Bedienung fuhr Matthias weiter. Da ich mich in den Alkoven verkrümelte, könnte ich hier nur über rumpeln, Kurven, bremsen, beschleunigen und Notstop's - Frank wurde bei einer dringenden Pinkelpause von einem Bewegungsmelder entdeckt und dann durch ein Flutlicht hell ins Rampenlicht gesetzt (mit was hat er nur so heftig gewackelt?) - erzählen. Richtig wach bin ich erst in Carona geworden, als Frank mit dem Wohnmobil ( Höhe des Fahrzeug's ca. 3,10 m incl. Lufthutzen) vor einem Stadttor mit Durchfahrtshöhe 2,5 m stand und nicht mehr weiter wußte. Matthias und ich lotsten Frank - oder hätten wir 7 km wieder rückwarts fahren, sollen?- Zentimeter für Zentimeter durch dieses Stadttor! Rechte und linke Dachkante 3 cm, oben an den Huken 4 cm Platz, Wahnsinn! Es sollte aber noch besser kommen! Matthias hatte die Abfahrt in eine linke Sackgasse übersehen, wir fuhren also geradeaus. Als der Irrtum klar war, war an ein Wenden nicht zu denken! In diesem Fall übernahm ich wieder das Ruder und, mußte rückwärts durch die engen Gassen bis zu dieser Abfahrt zurückfahren. Immer cool bleiben! Wir waren da um 8.30 Uhr!!! Ausladen, Brötchen holen (20 Brötchen, 1 Glas Honig und 2 x 200g Butter SF 35,30!!), frühstücken bei herrlichem Sonnenschein! Besten Platz aussuchen, aufbauen, die Sonne und einen Nachmittagsschlaf genießen. Zum Abend gab es Nudeln (was sonst) und leckere, improvisierte Tomatensoße. Anschließend die Sterne genießen. Nur der Wind verwackelte alles, und Mailand ist verdammt hell! (Geheim: Hatten schon gewisse Überlegungen angestellt, mit Hilfe der Maf.. usw.) Um 01.00 Uhr wurde es dunstig und wir müde. Gute Nacht allerseits und ich in meinen Alkoven...

Sonntag, den 08.09.:

10.00 Uhr aufstehen, frühstücken, Sonne genießen und beobachten, Nachmittagsschläfchen, meine Taukappe vom Teleskop wieder runterziehen - hatte zu genau gearbeitet, durch die Kälte war der Kunststoff geschrumpft und sie klemmte fest - Taukappe "tunen", Kabel am Frequenzwandler umlöten (tja, vertauscht, mein Fehler), ein bischen Theorie, ein improvisiertes Abendessen (uns gingen die Vorräte langsam aus und Nudeln...?) sowie erstes erfolgreiches Auffinden (nur auf mich bezogen) der Andromedagalaxie sowie des Ringnebels mit dem Versuch, diesen mit einer Contax ST-Kamera und 135mm-Objektiv, Blende 5,6 + 2x Converter, ASA 100 und 30min mit Nachführschwierigkeiten abzulichten. Um 2.00 Uhr verhinderte aufkommender Dunst weiteren Tatendrang. Gute Nacht ....Den Rest kennt ihr ja schon, s.o.

Montag, den 09.09.:

10.00 Uhr frühstücken usw.,12.00 Uhr nach einer irren Dorfdurchfahrt, Schwierigkeiten s.o., sind wir nach Lugano gefahren. Endlich Geld holen, was zu futtern und zu schmoken kaufen. Matthias ist ein Roadrunner und Frank war jeder Schritt zu viel. Nachdem wir für 270,-SF abzüglich dem Käse, eine Spende, einkaufen waren, fuhren wir auf dem schnellsten Weg zurück. Ach ja, da waren ja noch Frank's Knoblauchzehen, die wurden unterwegs an Bord genommen. Dies war auch wichtig, denn Matthias Blähbauch mußte gepflegt werden! Einzelheiten kann er euch selber erzählen. Zurück wieder durch das Dorf, eine Mauerkante wurde von der Gummileiste am Mobil etwas ummodelliert! Sonst keine Vorkommnisse.
Nach einem Kaffee gab es eine Gemüsesuppe a la Britta, Matthias und Tom, die beiden hatten das Gemüse fachgerecht verarbeitet (geschnibbelt). Ihr wißt ja, Matthias mußte gepflegt werden! Aber die Sicht! Dunst in allen Ecken und Nasen, Seeing gleich Null!

Gute Nacht usw.

Dienstag, den 10.09.:

10.00 Uhr weckte mich Matthias im Wohnmobil, danke. Das Frühstück war draußen schon vorbereitet, danach wieder Theorie, Rektaszension und Deklination, wer soll das auseinanderhalten? Aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!
Warten auf besseres Wetter! Sonne, aber mit Wolken und Dunst durchwachsen, schade. Nach Pellkartoffeln, Bratfisch und Zwiebeln mit Gurke, mittlerweile 21.00 Uhr, wurden die Teleskope aufgebaut. Habe Ringnebel in der Leier nach vorher gelernter Methode (finden eines Objektes nach Rekt. und Dekl. durch Einstellen der Werte an der Montierung) sofort gefunden, ein Erfolgserlebnis. Aber dann, es zirbten die Grillen, es kam der Dunst und vorbei war die Sicht. Die Milchstraße war kaum noch zu sehen, und Mailand beleuchtete den Himmel. Matthias meinte einmal zu mir: "Knips doch mit 1/1000stel Sekunde!" Antwort von mir: "Geht nur mit 1/6000stel, sonst ist der Film überbelichtet!" Mahlzeit! Mein zweites Foto vom Ringnebel mit f 300, Blende 1:4 und 30 min, Film s.o., ging voll daneben, das Objektiv war beschlagen. Abbauen und einpacken. Licht war nicht nötig, Mailand ..., ihr wißt ja. Die letzte Rettung waren zwei Tafeln Schokolade und jede Menge Bier. Völliger Frust und die Suche nach einem besseren Gebiet, z.B. Kärnten (Vorschlag Frank).

Die Blähungen steckten an! Gute Nacht um 0.30 Uhr.

Mittwoch, den 11.09.:

Wir konnten wieder draußen frühstücken. Die Sonne lachte durch den Hochnebel. Heute hatten wir völlig relaxed. Der Dunst wurde immer dichter, der schweizerische Italiener rief! Mit Wein weiß und rose wurde unser Abendmahl verschönert, bei der Bewölkung war's den Augen sch...egal. Frank und ich schlenderten nach dem Essen noch durch die verwinkelten Gassen von Carona, muß morgen geknipst werden. Nach einer Dia-Schow in der Sternwarte durch Frank ab ins Bett. Tschau, bis morgen.

Donnerstag, den 12.09.:

Noch nicht einmal die Sonne war zu sehen. Frühstück im Gemeinschaftsraum. Ganz langsam kämpfte sich die Sonne durch die Wolken und den Dunst. Frank blies seine Lufmatratze auf (wollte er die Sonne beschwören?), Britta knipste die Eidechsen, Matthias saß an seinem Fernglas und ich suchte mein Manfrotto. Matthias meinte einmal, das Stativ sei ganz schön stabil. Und ich fand mein Manfrotto! Nun sitze ich wieder am PC und schreib ein bischen, aber vorher hatte ich mir erst einmal den ganzen Text gelöscht! Verfluchte Technik! Jetzt aber ab ins Dorf mit der Kamera! Bis gleich.
So, alles im Kasten. Wunderschön, hier könnte man sich mit der Staffelei austoben! In der Zwischenzeit hatte Frank die Spagetti fertig, lecker, bon apetito. Wolken zogen von Norden auf, schade, dachten wir. Also den Frust im Dorf mit Wein, Bier und Kaffee runterspülen. Britta mußte zwischendurch einmal verschwinden, und sie kam mit einer umwerfenden Nachricht zurück: "Die Sterne kommen! " Hechel, hechel, schnell bezahlen und ab zur Unterkunft. Doch, oh Graus, am Lugano-See wurde direkt unter uns ein Feuerwerk gezündet! Lichtblitze überall, Dunstschwaden und Getöste im ganzen Tal. Wir ließen uns nicht entmutigen, bauten in der Dunkelheit alles auf, mein 300ter Tele wurde mit einer Papptaukappe präpariert. Und ab ging die Post. Ab 23.30 Uhr war alles startklar! Frisch eingenordet, Kamera ausgerichtet, 400ter FujiFilm war drin und die Andromeda-Galaxie mußte erneut dran glauben! Sie nimmt mir das hoffentlich nicht übel. 45min belichtet, nur der Wind schien alles zu verwackeln. Danach die Plejaden, Objektivwechsel 25 mm Weitwinkel und die Milchstraße um die Cassiopeia, wieder Tele mit Konverter für den Orionnebel. Ächtz, um 04.55 Uhr völlig fertig vom Nachführen beider Achsen (s.u.), wurden hungrig und frierend die Zelte abgebrochen. Um 05.45 ein letztes Nutellabrot und ab in den Alkoven. Endlich, gute Nacht! Schnarch.... usw....

Freitag, den13.09.:

Um 11.00 Uhr wurde ich von alleine wach! Kein Frühstück draußen oder schlafen noch alle? Kalter Wind beschleunigte meine Schritte zum Haus. Britta und Matthias hatten schon Brötchen geholt und Eier gekocht, die Lieben. Frühstückstisch schon fast fertig, und ich? Ich war total fertig! Die Lebensgeister kamen erst mit dem Essen und dem Kaffee zurück.
Gestochen scharfe Berge, sehr gute Sicht, nur ein eisiger Wind. Toll! Der Schlachtplan für die Abreise morgen früh um 09.00 Uhr und die heutige Nachtschicht wurden aufgestellt. Habe bis um 13.00 Uhr geschrieben und werde mich wieder in meinen Alkoven verkrümeln. Britta und Frank schlafen schon wieder, Matthias sitzt gequält am Gästebuch und schiebt gerade die Verantwortung auf Frank. Matthias legt sich nun auch wieder hin. Bis gleich...
Der Schlaf hatte wohl den Wettergott beeinflußt! Entweder er wollte uns jetzt ärgern, weil wir ihn mit unseren Gerüchen belästigt hatten, oder er wollte sich mit uns versöhnen, weil wir bis jetzt so schlechtes Wetter hatten. Auf jeden Fall rattenscharfe Sicht ohne Wolken! Nur ein wenig Wind benötigt er wohl, um den Dunst zu vertreiben.
Gemüsesuppe a la Tom mit 5 Knoblauchzehen, dazu Stangenbrot mit Butter und 3 Knoblauchzehen. Ist doch klar, die letzte Nacht mußte genossen werden!
Aufbauen, auf Stern Deneb einrichten, doch oh Schreck, die Skalenwerte Dekl. und Rekt.!? Azimuth und Polhöhe waren bei Matthias und mir total daneben! Jetzt war auch klar, warum ich in der letzten Nacht beim Fotografieren so rumkurbeln mußte, die Rekt. mit dem Motor und die Dekl. mit der Schraube. Also wurde neu einnordet, Polhöhe 4° daneben! Ist mir völlig unklar, was da passiert war.
Zum Fotografieren waren wir auch noch gekommen, Nordamerikanebel neben Deneb mit 135iger, h und mit 300ter, alles mit 1600 Panther; Frank und Matthias Hale Bob usw.. Und Britta? Sie kämpfte wieder tapfer mit ihrem Stativ und schlug sich dabei mindestens zwei mal den Kopf ein! Und die Blähungen funktionierten auch wieder! Brumm mal da und brumm mal dort.
Um 24.00 Uhr war Schicht beim Frank, der Rest schloß sich eine Stunde später an, zwei packen minus ein packen macht? Richtig, einpacken. Noch ein letztes Knoblauchbrot und um 2.00 Uhr ging's ab in die Falle. Schlaft gut!

Samstag, den 14.09.:

8.30 Uhr klingelte der Wecker; draußen bitter kalt, aber gestochen scharfe Sicht. Frank und Matthias rödelten rum und ich setzte mich ein letztes Mal in Corona an den PC. Matthias holte Brötchen und ich mußte mich wohl um den Kaffee kümmern, sonst wären wir verdurstet. Ach ja, und Britta? Von ihr war noch nichts zu sehen! Frank schaute nach, doch auch sie war schon wach! Jetzt mußte gefrühstückt werden! Schluß erst einmal und PC einpacken, vor allem aber speichern!
Wir haben jetzt Sonntag, 16.00 Uhr und ich sitze wieder am PC. Also weiter geht's!
Nachdem wir alles verstaut hatten, Frank war irgendwie nicht gut drauf, fuhren wir um 10.00 Uhr in Corona los. Frank schleuste das Wohnmobil sicher nach unseren Anweisungen durch das Stadttor, was fotografisch dokumentiert wurde. Danach übernahm ich das Ruder. Um ca.12.00 Uhr waren wir auf dem gerade frisch verschneiten San Bernadino Paß. Eiseskälte, und jede Menge Radfahrer in kurzer Hose und Hemd, brrrr. Weiter ging s Richtung Lichtenstein, wobei ein Disput zwischen Frank und mir ob der grünen und blauen Verkehrsschilder nicht zu vermeiden war. Blaue Hinweise für Bundesstraßen und grüne für die Autobahnen, und dann noch die gleiche Nummer für beide Wege, die Nummer 13 hatte es in sich...
19.15Uhr waren wir in Eltmann wieder zurück, umladen und 20.00 Uhr weiter Richtung Göttingen. Eine letzte Rast zusammen auf der Raststätte Röhn, danach jeder für sich nach Göttingen. Matthias und Frank waren schnell weg, aber Britta, wo bist du gebleiben? 23.15 war ich in Göttingen nach 13 Stunden Fahrt nur noch für eine Badewanne zu gebrauchen...

Sonntag, den 15.09.:

Wir wolien uns heute abend um 19.00 im Forum noch einmal zusammensetzen und die tolle Woche ausklingen lassen.

Bis bald Thomas Schütze Sep.1996

PS: Liebe Britta, spar für ein neues Stativ und kauf Dir einen Sturzhelm.... Lieber Frank, um welchen Punkt dreht sich das Weltall?....

Lieber Matthias, bleib' so wie Du bist, und habe weiterhin so viel Geduld mit Anfängern, denn es ist schon was Schönes, wenn Du siehst, wie bei diesen die Augen zu glänzen anfangen...!

Mein letzter Tip: Für eine solche Truppe macht eine Gemeinschaftskasse Sinn, das erspart viel Rechnerei und Diskutiererei!


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© Die AVG Internet-Redaktion, Letzte Änderung: 12.10.1997