Erfahrungen mit dem FUJI-Provia 400 hyp und dem Scotchchrome 400 beim Aufenthalt auf der Feriensternwarte Calina im Tessin

Bei meinem Besuch auf der Calina im Sommer 1993 war ich zusammen mit Detlev Niechoy und Familie regelrecht begeistert vom Sternenhimmel. Meine Versuche, einige Kugelsternhaufen mit dem 12Zöller aufzulösen waren erfolgreich. M15, M5, M10 oder M12 boten beispielsweise einen grandiosen Anblick! Schon damals war es in Richtung Süden etwas aufgehellt, weil in dieser Richtung Milano liegt.

Was bot sich uns Tessinreisenden nun auf unserem 96er Urlaub? Die Italiener waren fleißig und zeigten uns einen schönen Lichtkegel, der auch ausreichend hoch reichte. So bleibt auch der Zenitbereich nicht vom hellen Streulicht ausgenommen und wir hatten unsere "Freude". Trotzdem belichtete ich auf dem 400er Fujichrome Provia mit der Mittelformatkamera und dem 180mm Objektiv auf 5,6 abgeblendet. Zu Hause angekommen ließ ich den Film mit ganzen drei Bildern (mehr war nicht zusammengekommen) entwickeln. Vom Nordamerikanebel war nichts zu sehen! Mit der Lupe und genauem Hinsehen bemerkte ich aber einen grauen Schimmer in der Milchstraße: Der Nordamerikanebel! Offensichtlich hatte der Provia keine ausgesprochene Rotempfindlichkeit! Das Dia bildete beim Vergleich mit der Uranometria noch Sterne deutlich schwächer als 9.5mag ab. Das Bild von M33 und M31 mit b And in der Mitte zeigte wenigstens die beiden Galaxien. Von IC 1396 im Cepheus auf Dia Nr. 3 war leider nichts zu sehen. Also ist für mich klar, daß bei der nächsten Bestellung von gehypertem Material nach der Rotempfindlichkeit gefragt werden muß.

In der Kleinbildkamera hatte ich einen ungehyperten Scotchchrome 400. Meine Weitwinkelaufnahmen offenbarten nach 15min Belichtungszeit einen gut aufgehellten Himmel. Auf dem blassen Hintergrund konnte ich aber immer noch Sterne schwächer als 6 mag erkennen. Beim Perseus zeigte sich sogar der Californianebel! Die Aufnahmen mit dem Tele zeigten dann, wovor Bernd Koch in seinem "Handbuch für Astrofotografie" warnt: Niemals Kugelköpfe benutzen! Mein schweres 300er Tele hatte sich nämlich bewegt und in der halben Stunde Belichtung von h + X Per Striche von ca. 10min Länge produziert. Bei der 300er Brennweite hielt sich die Himmelshelligkeit etwas zurück war aber für meine Begriffe immer noch deutlich sichtbar! Außerdem zeigte der Scotchchrome nach dem Entwickeln einen leichten Rotstich auf der oberen Filmhälfte! Verglichen mit den Bildern des gehyperten Provia scheint mir der Scotch viel empfindlicher auf Streulicht zu reagieren!

Die besten Nächte hatten eine Grenzgröße von ca. 5.0 (h UMi). Auch trockene Luft ab dem 11.09.96 mit einem knackblauen Himmel bescherte keine bessere Sichtbarkeit für die Sommermilchstraße, die sich gerade mal vom Himmelshintergrund lösen konnte und leidlich erkennbar war. In der "Orion"Ausgabe Nr. 171 entdeckte dann Britta einen Artikel über Lichtverschmutzung in der Schweiz: Der gesamte Bereich um den Lago Lugano liegt im Strahlungseinfluß von Mailand. Außerdem hat auch das Lichtermeer von der Stadt Campione auf dem anderen Seeufer kräftig zugelegt! Eine Verlegung der Sternwarte z. B. in die Nähe von St. Morik oderauf den Gornergrat am Jungfraujoch wäre also angeraten!

Matthias Elsen


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© Die AVG Internet-Redaktion, letzte Änderung: 12.10.1997