Astrologie ?

Was ist dran an der Astrologie? Gibt es einen Unterschied zwischen "seriöser" und weniger seriöser Astrologie? Was kann man antworten, wenn die üblichen Fragen kommen:"Und was für ein Sternzeichen bist Du?" Oder wenn es ernsthafter wird, indem einem widerfährt was mir neulich nach einem Vorstellungsgespräch bei der Arbeit zu Ohren kam: "Nee, ne, den können wir nicht nehmen, der ist Steinbock!" Ich bekam es ganz schön mit der Angst zu tun, als mir plötzlich klar wurde, wie weit das gehen kann...!

1. Astrologie verneint völlig die Ergebnisse moderner Forschung und Erfahrung über den Aufbau des Weltalls und dessen Bestandteile.

Seit Kopernikus ist die Erde mehr und mehr aus einer vormals vermuteten zentralen Rolle im Weltgeschehen herausgefallen. In der Astrologie bezieht sich aber alles immer noch auf den einzelnen im Mittelpunkt des Horoskops stehenden Menschen.
Das Horoskop ist also beim Weltbild des 15. Jahrhunderts stehengeblieben. Also: Die rote Farbe des Mars, von der seine kriegerische und zerstörerische Wirkung abgeleitet wurde, ist nicht die Farbe des Blutes, sondern liegt am eisenhaltigen Staub seiner Wüstenlandschaften.
Der Saturn bewegt sich nicht deswegen so langsam weil er alt und heimtükisch ist, sondern weil er von dem mit freiem Auge beobachtbaren Planeten am weitesten entfernt ist.
Tatsächliche Einflüsse auf unser tägliches Leben aber, wie der Sonnenfleckenzyklus oder die Gezeiten, sucht man im astrologischen Gebäude vergeblich.

2. Die Zwillingsforschung spricht gegen die Astrologie

Zweiige Zwillinge haben keine größeren Ähnlichkeiten im Köperbau, Charakter usw. als zwei zu ganz verschiedenen Zeitpunkten geborene Geschwister. Obwohl ja beide Zwillinge durch die nahe beieinanderliegenden Geburtszeitpunkte fast dasselbe Horoskop haben.

3. Der Geburtszeitpunkt der Horoskopträger ist entscheidend, anstatt des Zeugungszeitpunktes und der genetischen Zusammensetzung der Zellinformation.

Da der Geburtszeitpunkt aus med. Gründen einige Wochen vorverlegt oder hinausgezögert werden kann, müßte sich damit jeweils ein völlig anderer Horoskopträger ergeben. Wie wir heute aber wissen, bestehen die in den Zelleinformationen der DNA festgelegten Muster seit der ersten Zellteilung nach der Befruchtung der Eizelle!

4. Sterne und Sternbilder fallen nicht mehr zusammen

Viele lassen sich ein Bild des Sternbildes LÖWE schenken und meinen, damit eine Darstellung i h r e s Sternbildes/Sternzeichens (z.B. Geburtstag am 01.08.96) zu haben. Aber durch die Präzession der Erdachse klaffen die Sternzeichen, 30° lange leere Abschnitte auf der Ekliptik, also gleichlange Kalenderabschnitte, mit den Sternbildern am Himmel auseinander! Die Sternbilder haben also gar nicht den "Einfluß" zu dem oder dem Zeitpunkt.

5. Die Behauptung von Astrologen, jahrtausende alte Erfahrungen bildeten ihr Wissensfundament ist nachweislich falsch.

So haben beispielsweise im 1 bis 2. Jahrtausend v. Chr. in Babylonien - also der damaligen "Hochburg" der Himmelskunde - nur ganz allgemeine Weissagungen gegolten. Mit der heutigen Horoskopie hatten sie nur wenig zu tun. Sie arbeiten mit dem damaligen Wissen über Astronomie und Wetter(!). Die jeweiligen Weissagungen wurden nicht aus längeren Beobachtungsreihen, sondern aus nur einmaligem Beobachten abgeleitet. Die grundlegenden astrologischen Regeln wurden erst in der griechischen Antike, bzw. erst im Mittelalter aufgestellt. Erfahrungswissen spielte keine Rolle.

6. Das Erscheinungsbild der Planeten prägte deren Bedeutung

Ein auffälliges Beispiel ist der Mars mit seiner am Himmel leicht erkennbaren rötlichen Färbung. Aus der roten Farbe und den schwankenden Helligkeiten des Planeten wurde ihm der Kriegsgott Mars mit Eigenschaften wie Sadismus, Rache, Haß, Kampfgeist zugeordnet. Als Berufe treten Schnmiede, Metzger oder Soldaten auf (siehe auch 1.).
Die Arbeitsweise der modernen Astrologie fällt gut auf an den teleskopisch entdeckten Planeten, z.B. dem Pluto, der weinige Jahre nach seiner Entdeckung seine "Bedeutung" erhielt, sobald er seinen Namen bekommen hatte. Da Pluto in der griechischen Mythologie der Gott der Unterwelt war, entsprachen seinen Eigenschaften: Gewalt, Verbrechen, Erdbeben(!).

7. Die willkürliche Zuordnung der Sternbilder erzeugte deren Eigenschaften

Die Bedeutung der Sternbilder als solche ist in verschiedenen Kulturen wiederum unterschiedlich! Und: Sternbilder überhaupt sind ja optische Täuschungen, da von der Erde aus gesehen einige Sterne in der Sichtlinie nebeneinander liegen. Die Entfernung der Sterne in einem Sternbild untereinander ist oft beträchtlich! Woher kommen dann die angeblichen Einflüsse? Warum werden Tieren menschliche Eigenschaften zugeschrieben? Wie stellt man sich allgemein einen Widder vor? Widder z.B. sind Tiere; nicht mehr und nicht weniger. Sie reagieren ihren Instinkt entsprechend, weder jähzornig oder anderen menschlichen Eigenschaften gemäß.

8. Die subjektiv gemachte Feststellung: "Mein Horoskop stimmt aber" kann leicht auf vieldeutige und verwaschene Formulierungen bei der Horoskopauslegung zurückgeführt werden. Ebenso auf reine Wahrnehmungsseffekte (Selbsttäuschung).

In Psychologie-Vorlesungen wurde öfter verschiedenen Studenten Horoskope mit gleichem Wortlaut vorgelegt. Alle zolltem dem Horoskoptext eine große Beschreibungsgenauigkeit ihrer Persönlichkeit.

Schluß: Die Astrologie bleibt damit eine trockene, papierene Angelegenheit, die mit der Vielfalt des Universums und des menschlichen Wesens nichts zu tun hat.

Quellen:
SuW 12/96 Seite 926f
Astronomie und Raumfahrt 23, Seite 16f
Sternzeit

Matthias Elsen


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© Die AVG Internet-Redaktion, letzte Änderung: 19.04.1997