Eine Fahrt ins Wolfsburger Planetarium

Das Programm der Nachmittagsvorstellung vom 23. März, deren Besuch der FPG organisiert hatte, hieß "Kometen in Erdnähe".

Die Vorstellung begann mit einem Streifzug durch die Geschichte: Die berühmtesten Kometen der vergangenen Jahrhunderte wurden anhand von überlieferten Zeichnungen und Kunstwerken vorgestellt, angefangen mit Halleys Erscheinung im Jahre 1066 und seiner Abbildung auf dem Teppich von Bayeux. Anhand der historischen Beschreibung des hellen Kometen von 1744 wurde an der gestirnten Planetariumskuppel dessen ungeheure Ausdehnung nachvollzogen. Schließlich wurde auch die Kometenpanik von 1910 angesprochen, als Halleys Schweif die Erde kreuzte. Aus dieser Zeit gibt es allerlei Karikaturen.

Daß das Auftauchen eines Kometen nicht bloß Unglück für den einen, sondern auch Glück für den anderen brachte, zeigte sich bereits 1066: Zwar starb König Harold bei Hastings im Kampf, doch dafür war Wilhelm siegreich. Ähnliches im Jahr 1531, als der Halleysche Komet sich wieder einmal zeigte: Für den letzten Inka-König Atahualpas ein schlechtes Zeichen, er wurde bald darauf hingerichtet- für Pizarro, seinen Gegner, jedoch ein großer Erfolg.

Im Anschluß an die Historie wurde auf anschauliche Weise die Entstehung von Kometen dargestellt, wie sie sich in der Entstehungszeit des Sonnensystems in der Oortschen Wolke als "Eisberge" sammelten, in einer Entfernung von der Sonne, die schon ein Drittel der Distanz zum nächsten Stern ausmacht. Wir erfuhren, wie die Gravitationskräfte anderer Himmelskörper den einen oder anderen "Eisberg" aus der Oortschen Wolke in eine Umlaufbahn um die Sonne treiben und ihn so zum Kometen machen. Um den Aufbau und das Aussehen der Kometen besser nachvollziehen zu können, fand ein Flug über die vereiste Oberfläche von Miranda statt, der den Kometen im Aufbau ähnlich sein soll.

Auch auf das Ende der Kometen wurde eingegangen, wie sie schließlich nicht mehr als "schmutzige Schneebälle", sondern vielmehr als "Sandbälle" ihre Bahn fortführen, wenn alles Eis geschmolzen ist. Als Beispiel wurde der Komet Halley angeführt, dem die häufige Wiederkehr zur Sonne offenbar nicht gut bekommen ist, da er sich 1986 im Vergleich zu früheren Zeiten nur wenig spektakulär gezeigt hat. In diesem Zusammenhang wurde auch das Entstehen von Meteoritenströmen gezeigt, und wir erlebten eine Perseidennacht mit.

Später wurde auf das Thema eines möglichen Zusammenstoßes der Erde mit Kometen noch eingegangen, mit Anklängen an den Absturz von Shoemaker-Levy auf Jupiter. Die Möglichkeit der Kollision der Erde mit einem Kometen wurde zwar nicht völlig ausgeschlossen- die Wahrscheinlichkeit wurde jedoch als verschwindend klein angegeben. Mit dem Hinweis, daß es andere Gefahren für die Menschheit gäbe als gerade diese.

Schließlich wurden die beiden spektakulären Kometen der jüngsten Zeit ins Visier genommen, Hyakutake und Hale-Bopp. Tatsächlich haben erst diese beiden Kometen eine etwa 20jährige Phase beendet, in der keine hellen Kometen zu beobachten waren.

Nun noch einige allgemeine Worte zum Wolfsburger Planetarium: Es umfaßt ca. 150-200 Plätze. Der Projektor stammt vom Herbst 1996 und ersetzte den 1983 installierten. Die klar gestochenen Sterne erweckten die Vorstellung, daß man sich wirklich unter dem Sternenhimmel befand- ein Eindruck, den ich in andern Planetarien nicht unbedingt hatte. In dem Sterngewimmel war es jedoch ausgesprochen schwierig, Sternbilder zu erkennen. Dies lag entweder einfach an dem ungewohnten "klaren" Himmel, an dem man eben viel mehr Sterne sieht, oder an mangelnden Helligkeitsunterschieden zwischen der Abbildung der Sterne. Welches von beidem die Ursache war, kann ich aber nicht sagen.

Insgesamt ist festzuhalten, daß ein Besuch im Wolfsburger Planetarium sich lohnt, nicht zuletzt wegen der relativ kurzen Anfahrzeit von Göttingen.

(Christine Geisler)


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© Die AVG Internet-Redaktion, letzte Änderung: 09.10.1997