EINDRÜCKE VOM ITV 1998

ITV 1998: DAS ASTRONOMIE-WOODSTOCK

Am 21. Mai um die Mittagszeit holt mich Hans-Jürgen ab, und los geht es zum ITV, von dem ich schon viel gehört, das ich aber noch nie erlebt habe. Der Himmel ist bedeckt, unterwegs fängt es an zu regnen- nicht gerade optimale Voraussetzungen zum Sternegucken, aber es ist ja erst Mittag. Als wir durch den Vogelsberg fahren, keimt Hoffnung auf, der Himmel wird etwas heller. Wir kommen durch Windhausen, das seinem Namen alle Ehre macht, es steht alles voll von Windanlagen. Nach einer kurvenreichen Strecke, vorbei an den Spuren eines dörflichen Schützenfestes, können wir es sehen: Eine Ansammlung von Zelten, Autos und Wohnwagen. Das ist also das ITV. Beim Fahren auf das Gelände begegnen wir schon Matthias. Als Hans-Jürgen mit dem Wohnmobil einen passenden Parkplatz sucht, treffen wir Britta. Ich mache gleich einen ersten Rundgang durch das "Zeltdorf" und bewundere die Teleskope unterschiedlichster Größe und Bauart. Begeisterung und Vorfreude erweckt der 30-Zöller mit seiner riesengroßen Leiter. Besonders originell ist ein Riesen-Bino, das über einem Zahnarztstuhl befestigt ist, die ganze Konstruktion ihrerseits ist auf einen Anhänger montiert. Zum ersten Mal sehe ich mir bewußt einen Schiefspiegler an, dessen Aussehen ich aber reichlich eigenartig finde. Auf einem Tisch hat jemand einen Mini-Dobson aufgestellt. Das niedlich anmutende Gerät hat allerdings auch seine 3,5 Zoll, was ich aufgrund der sonstigen Abmaße nicht vermutet hätte. Am Eingang zu dem Sportplatz stehen diverse Binos, auch der Kometenjäger von Miyauchi; sie sind zu Vergleichszwecken auf eine Testtafel im Feld ausgerichtet. Dort begegnen Britta und ich einem sonnenverbrannten Zeitgenossen, der gestern Sonnenprotuberanzen in seinem Gerät vorgeführt hat. Dabei hat er sich vom stundenlangen Sitzen in der prallen Sonne die Beine ganz verbrannt. So stellen wir fest, daß man auch von Sternenlicht verbrannt werden kann, wenn der Stern nur nahe genug ist... Im Laufe des Nachmittags kommen noch viele neue Besucher, auch die beiden Rohloffs, die sogleich fachmännisch ihr Zelt errichten. Tatsächlich ist das Teleskoptreffen auch international: Wir sichten ein Luxemburger Auto, und gegenüber von Hans-Jürgens Wohnmobil bauen zwei Bulgaren ihr Zelt auf. Der Nachmittag ist nicht nur kühl, sondern auch windig. Immer mehr verstehe ich, weshalb auch hier in Stumpertenrod alles voller Windanlagen steht. Wir sind alle froh und dankbar, daß Hans-Jürgen Kaffee kocht und uns in das gemütliche und warme Wohmobil einlädt. Vor einem Zelt weht die Flagge der "Vereinten Planeten" im Wind. Seit dem Nachmittag finden im Vereinsheim Vorträge zu allen möglichen Themen statt, etwa zu aktuellen Himmelsobjekten oder zum Spiegelschleifen. Außerdem gibt es dort einen Bücherverkauf und ein Schwarzes Brett, auf dem diverse Kaufangebote zu finden sind. Und es sind immer Leute dort, die sich angeregt unterhalten. Die Küchennische wird gegen Abend zusehend belebter, Gerüche von Suppe oder Wiener Würstchen ziehen herum. Bei Hans-Jürgen werden Matthias und ich zum Abendessen eingeladen, wir wärmen uns an einer Vorsuppe und stärken uns dann mit Nudeln Belogene. Gegen Abend entstehen ein paar Wolkenlücken. In der Dämmerung klärt es einmal sogar ganz auf, so daß fiebrige Aktivität sich breitmacht. Aber das ist nur von kurzer Dauer, denn bald darauf ist wieder alles bezogen. Als es dunkel ist, geht ein Schauer nieder. Neben Hans-Jürgens Wohnmobil versucht jemand ohne Licht und bei dem Regen, ein Zelt aufzubauen, dessen Mechanismus er nicht kennt; wir helfen ihm schließlich soweit, bis zumindest eine windschiefe Variante steht. In der regnerischen Nacht sitzen wir gemütlich und trocken im Wohnmobil und warten auf besseres Wetter, allerdings in dieser Nacht vergeblich.

Ich verbrachte nur den einen Tag auf dem ITV und hatte keine Gelegenheit, durch eines der Riesengeräte ein paar Spiralarme zu zählen. Aber eines steht fest: Das ITV macht auch ohne Sterne Spaß !

Christine Geisler


ITV-BERICHT

Di., 19.05.98
Schlamm, Schlämmer, nein, nein! So schlimm war's denn doch nicht beim diesmaligen Teleskoptreffen! Es war sogar weitgehend trocken! Dafür - damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen!- war es zum größten Teil saukalt! Aber der Reihe nach! Ich wollte eigentlich schon am Montag, den 18.05.98 in Stumpertenrod sein! Aber das schaffte ich denn doch nicht! Schließlich gab es noch einige logistische Probleme zu lösen! Essen, schlafen, beobachten, das alles mußte Polo-verträglich gelöst werden. So war ich am Di., den 19.05. nachmittags schließlich startbereit. Dank Franks Einsatz zuvor am Sonntag nachmittag konnte ich endlich meine Rücksitzbank ausbauen und so mehr Platz als sonst schaffen!

Um 17.00 Uhr hieß es "lift off" für die Fahrt zum 7. ITV! Jeder Liter Stauraum ist genutzt! Harte Lenkmanöver verbieten sich. Nach der Abfahrt am Hattenbacher Dreieck kommt langsam Spannung auf. Gegen 18:30 Uhr rolle ich bei Alsfeld von der A5. Jetzt wird's ernst! Schließlich geht es in Groß Felda wegweisergerecht nach Stumpertenrod. Dort angekommen, bog ich am Ortseingang nach rechts. "Na ja! Wenn da noch keiner ist, fährste halt wieder nach Hause! Wir haben ja erst Dienstag"! Hinter Stumpertenrod die 1. Kurve. Jetzt sieht man schon die Windräder. Noch eine Kurve und mein Blick fällt auf den...schon zu 1/3 besetzten Platz. Heftig!

Ich suche mir gemütlich einen Platz. Den Wagen umzuräumen und schlaffertig zu machen, nehme ich mir Zeit. So gegen 20:00 Uhr rollt auch bereits Martin (Birkmeyer) ein. Walter begrüßt mich mit Handschlag, als ich einen ersten Rundgang über den Platz mache. Christian Harder vom GVA ist auch da. Später begrüßt mich auch Martin Birkmeyer. Als es gegen 21:30 Uhr langsam dunkel wird, schwächelt der Himmel. Ein Astronom mit einem 14,5" ICS-Newton zeigt mir einige Objekte (M13, M51!) Erst als gegen 0:00 Uhr mühsam die Sterne des Hercules (Zenit 4.0/5.0) doch noch sichtbar werden, zeichnet M13 richtig schön!. Um 0:30 haue ich mich hin.

Mi. 20.05.98
Um 07:30 Uhr bin ich beim Duschen der erste. Die Tür zum Vereinsheim ist offen. Mein Blick fällt zur Seite: Ein Karton mit Brötchen. Schnell: Duschen, rasieren, umziehen, fertig. Wagen auf. Raus/rein/hin/her. Schließlich steht der Tisch draußen, 2 Brötchen liegen darauf, löslicher Kaffee ist fertig und es geht los. Nachmittags versuche ich etwas zu dösen. Um ca. 16:30 Uhr kommt Britta, abends Bernd Lechte. So sind wir schon 3 Göttinger. Viel Schlaf habe ich bei meiner Nachmittagsdöserei doch nicht gefunden. Abends wird das Wetter genauso beschissen wie am Dienstag. Einige Doppelsterne mit meinem Nachbarn- mehr ist nicht drin. Britta hat aber in einem 20"er M13 und M51 gesehen! Bernd ist von den Dobsons regelrecht begeistert!

Do., 22.05.98
Bis 07:00 Uhr durchgeschlafen. Das Flacherlegen der Schaumgummi-Matratze hatte sich am Abend zuvor also gelohnt. Spät - etwa um 10:00 Uhr - gibt's Frühstück. Danach helfe ich Martin und Walter mit Klebeband aus. Trotz etwas Regen ist die Stimmung auf dem Platz gut. Nachmittags kommen Christine und Jürgen! Im Wohnmobil befinden sich Schokolade, div. Suppen, Nudeln usw. Von 15-17:00 Uhr präsentiere ich meine Bildermappe und die Zeichnungen im Vereinsheim. Das Echo ist ganz positiv. Jemand in Berlin will meine Regenbogenfotos haben! Am frühen Abend essen Christine, Jürgen und ich Miracoli in Jürgens Wohnmobil. Zuvor haben wir Fotos vom Platz aus der Umgebung gemacht. Britta ist derweil schon nach Hause gefahren. Mit vollem Bauch schleppe ich mich zum Auto. Regen und bleigraue Wolken lassen kaum ans Beobachten denken. Doch um 01:30 Uhr ist klarer Himmel. Aber gegen 02:15 zieht es wieder zu. Ich öffne einige male die Tür und hänge mich im Bette steckender Weise aus dem Auto "Hallo Ophiuchus!" (kalt, kalt!).

Fr. 22.05.98
Morgens um 06:30 Uhr stehe ich auf. Eis auf dem Dach meines Polos! Wahnsinn. Ich gönne mir im Vereinsheim eine Dusche. So um 07:00 Uhr fege ich das Vereinsheim aus. Auch heute tut sich nichts besonderes. Abends fertige ich einige Zeichnungen an: An Frank Richardsens 20" Newton, den ich benutzen darf, versuche ich mich an M81 und M82. Am 25x150 Fujinon auf der Gabel versuche ich mich an M57. Martin hinter mir. "Na? rentiert sich's?"

Sa. 23.05.98
Tagsüber schönes Wetter mit großen blauen Wolkenlöchern. Die Sonne ist sogar warm! Einige Sonnenflecken sind schön zu sehen. Ich zeichne, um meinen Zeichnungshefter wenigstens etwas zu füllen. Um 12:00 Uhr findet die Preisverleihung für die originellsten Selbstbauteleskope statt. Der "Whirlpool-Newton" hinter Jürgens Wohnmobil gewinnt einen Preis. Ein Minidobson, der allen so gefallen hat. Die Supermontierung von Michael Koch aus Osterode und schließlich der 40x150 Fujinon auf dem Zahnarztstuhl von Harald Simon aus Oldenburg. Wolf-P. Hartmann hält die Siegerehrung ab. Abends wird das Wetter wieder so schlecht, daß ein Beobachten unmöglich wird. Bevor ich mich hinlege, setze ich mich mit Martin zusammen, und wir überlegen gemeinsam, wie man beim nächsten Treffen Namensschilder verteilen könne. Er ist dem zumindest nicht abgeneigt. Als ich im Wagen liege und weiß: "Dies wird die letzte Nacht sein", sehe ich in Richtung Vereinsheim. Da stehen zwei und sehen zum Himmel. Gegenüber der sonstigen Dunkelheit sind die beiden von der Beleuchtung des Heims hell erleuchtet. Als sie gemeinsam zum Himmel deuten, sieht das aus wie ein Abschiedsgruß bis zum nächsten Jahr.

So., 24.05.98
Nachdem kaufmännisch mit Martin alles geregelt ist, frühstücken Jürgen und ich gemeinsam. Und danach packe ich allmählich meine Sachen. Als mein Wagen schließlich rollt und der Platz hinter mir verschwindet, tut sich ein mächtiger ITV-Blues auf. Bis 1999!

Matthias Elsen


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 01.09.1998