Mondfinsternis September 1997

Für den 16.09.97 hatten AVG und FPG einen öffentlichen Beobachtungsabend in Nikomonte beschlossen. Wie schon im Frühjahr wurde auch wieder der Platz der Hale-Bopp Beobachtung ausgewählt.

Um ca. 19 Uhr MESZ war der "harte Kern" der AVG präsent, - Stative wurden aufgebaut, Kackhaufen von Kötem wurden gesichtet, und langsam wuchsen mehr oder weniger schlecht eingenordete Teleskope in die einsetzende Dämmerung. Auch hier entwickelte sich die Angelegenheit scheinbar zu einem MTT (Meade Teleskop Treffen). Zu diesem Zeitpunkt war von Publikum noch keine Spur zu sehen. Ach ja, Richard Fiedlers Katze, die war uns treu geblieben!

Nachdem ich mein Beobachtungsinstrumentarium in betriebsbereiten Zustand versetzt hatte, lag die Versuchung für ein kleines Feierabendblondes nicht fern, - Andreas und ich fachsimpelten nebenbei, und als dann irgend jemand rief, daß der Mond aufgegangen sei, zeigte sich eine durch atmosphärische Effekte verursachte wabernde, aber schon stark verfinsterte Mondsichel. Zu mindest konnte dieses im Teleskop beobachtet werden, sofern man nicht dem Anschein nach unwichtige Kleinteile des Fernrohrs vergessen hatte, die für den Betrieb des selbigen unerläßlich waren.... Ein Filterradgehäuse holte ich noch aus dem Auto, und nachdem ich meinen Telrad montiert hatte, vernahm ich im Rücken Gesprächsfetzen wie: "schon zur Hälfte bedeckt" und auch mal durchgucken?" und "Ablenkung durch Atmosphäre?" "wie lange sieht man den"... u.ä..

Keine 5m hinter mir konnte ich Andreas + Teleskop nicht mehr ausmachen, ein Pulk von Menschen hatte uns eingehüllt. Erwin und Uwe zur Rechten, Christine und Ihr Newton zur linken, verschwunden in der Masse - ich war allein und umzingelt! Umfallen konnte ich nicht mehr; auch war an eine Flucht jetzt nicht mehr zu denken. Mehrfach sehnte ich anfangs heimlich das Ende herbei!

Söhne und Töchter fast jeder Generation und Altersgruppe verwandelten das vorgelagerte Stück Wiese östlich der Janusz-Korczak-Schule in einen Tummelplatz mit volksfestartiger Dimension! Sehr bald schon konnte ich die verschiedenen Wünsche simultan und sukzessive bewältigen (3: Teleskop in Richtung Mond, Jupiter und Saturn, Fragen zur Finsternis, Verein und Fernrohr, Erklärung von Sternbildern, und und und. Meine anfänglichen Empfindungen waren rasch zerstreut und die Sache fing an mir Spaß zu machen. Die Teleskopbedienung beschränkte sich in erster Linie und fast ausschließlich auf die Einstellung des Zenitprismas. Störende Fotografen mit Blitz gab es, und auch von Taschenlampen wurde reger Gebrauch gemacht, was auch einige unserer Besucher monierten. Kurze Unterbrechungen boten mir Uwe und Britta, ich konnte mich kurz aus dem Pulk lösen. Insgesamt habe ich wohl 2 Stunden ununterbrochen geredet und hoffe, daß ich dem interessierten Publikum in Bild und Ton gerecht werden konnte.

"So etwa an die 300 Leute meinte Rüdiger, und im nachhinein war ich froh, daß Rüdiger mit dem Kowa-Bino den ersten Andrang abfing und zusammen mit Peter (und seinem endlich funktionierendem Teleskop) gewissermaßen die Vorhut bildete. Zu dieser Resonanz hatte der FPG mit einem Artikel in der Regionalpresse über die Veranstaltung beigetragen.

Vor lauter Veranstaltung hätte ich beinahe selbst keinen Blick auf das Geschehnis am Himmel getan, - die Finsternis empfand ich im wahrsten Sinne des Wortes als sehr finster, und mit freiem Auge machte der Mond einen super-plastischen Eindruck! Der Himmel bot trotz Stadtnähe bei verfinstertem Mond eine sehr gute Durchsicht, Teile des Milchstraßenbandes und auch schwächere Komponenten des Zoos waren sichtbar (Schwan, Adler, Delphin, Füllen)! Freisichtig konnte ich auch M31 ahnen (Ja Matthias, ich habe geübt). Allerdings hatte alles ein jähes Ende, als der Vollmond wieder sichtbar wurde und die Streulichteffekte den Himmelsanblick auf lichtstärkere Sterne und die Planeten reduzierte. Schlagartig hatten sich auch die Massen aufgelöst, und ich konnte noch eine Jupiterzeichnung beginnen. Müde und zufrieden verließen wir den Ort des Geschehens, und sicherlich wird diese Veranstaltung bei vielen Beteiligten als gelungene und spaßige Angelegenheit in Erinnerung bleiben!

Frank Teske


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 25.02.1998