HOLLYWOOD IN SPACE oder: Eine Überlebende von "Armageddon" berichtet

Seit den letzten Monaten beglückt uns das Kino mit diversen Weltraum-Abenteuern und Weltuntergangs-Szenarien. Trotz neuester und aufwendigster Computertechnik ist es aber den Filmemachern anscheinend nicht möglich, die wichtigsten physikalischen Grundsätze anzuerkennen. Im Film "Armageddon" zumindest war es das nicht.

Immerhin bin ich nun um viele Erfahrungen reicher: Zum Beispiel, daß es auf der Mir Schwer-raft gibt, die man quasi per Knopfdruck an- oder ausstellen kann. Da wird sich die Besatzung ja freuen...Durchaus kann ich das Problem der Produzenten, nicht beliebig viele Filmszenen in künstlicher Schwerelosigkeit drehen zu können, nachvollziehen (auch wenn das bei "Apollo 13" offenbar möglich war). Aber wer eines der für den Weltraum wichtigsten Phänomene nicht aus-reichend darstellen kann oder will, sollte seinen Streifen doch vielleicht auf der Erde spielen lassen... Auch wenn man die restlichen Szenen auf der Mir als mehr oder minder gekonnte Persiflage auf die Pannenserie an Bord hinnehmen könnte- gibt es eine plausible Erklärung, weshalb man von der Erde erst zur Mir fliegen muß, um ausgerechnet dort Treibstoff zu tanken, wo es nach Schilderung des Films nur mühsam zusammengeflickte Wände, defekte Apparaturen und sonst nur einen halbverrückten Kommandanten gibt ? Die Tatsache, daß eine Gruppe von exzentrischen Bohrspezialisten binnen 10 Tagen zu Astronauten ausgebildet wurde, um die Erde zu retten, war ja noch ganz amüsant. Leider bog der Film aber immer dann, wenn man ihn für eine Science-Fiction-Satire zu halten begann, wieder in das Pathos einer üblichen Hollywood-Schnulze zurück.

Lästig war auf Dauer, daß die Filmemacher sich nicht hatten einigen können, ob es sich bei dem Objekt, das der Erde den Totalschaden bringen sollte, um einen Asteroiden, Kometen oder Meteoriten handeln sollte. Hauptsache nur, das Ding war irgendwie kleinzukriegen...Für einen Kometen hätte nach Art der Darstellung sprechen können, daß das Objekt einen Gasschweif hinter sich her zog. Aber alles weitere, was dieses Objekt betraf, hatte doch sehr phantastische Züge. So etwa die Oberfläche dieses Gebildes mit riesigen Metall-Stalakmiten. Oder die Bohrungsarbeiten mit Großmaschinen auf der Oberfläche, um dort eine Atombombe zu plazieren. Daß auf diesem Brösel von "Asteroiden" praktischerweise eine annehmbare Schwerkraft herrschte, verwunderte kaum noch. Oder, daß es inmitten des Alls Geräusche geben konnte, auch wenn von der dazu erforderlichen Luft nichts zu sehen war.

Am Ende blieb eigentlich nur festzustellen:

Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt!

Christine Geisler


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 26.10.1998