WAS LÄßT SICH DENN IM SÜDWESTEN ALLES SO ERSPÄHEN?

In den folgenden Seiten findet Ihr heiße Tips für kühlere Nächte, die mit jedem Instrument beobachtet werden können.

Viel Spaß beim "star-hopping"!

Im Oktober liegt in etwa 40° Höhe über dem Horizont der Adler. Neben dem gleißenden Atair findet man einige interessante Sternkonstellationen im Okularanblick, wenn man sich p Aql und 15 Aql vorknöpft. Weiterhin kann Jagd auf den Hantelnebel M27 im Füchschen genommen werden. Hoch im Zenit kreuzt der Schwan. Er hat einige schöne Doppelsterne, wobei b Cyg der wohl schönste Doppelstern am nördlichen Himmel sein dürfte. Als ausgesprochenes Testobjekt gilt epsilon Lyr im Sternbild der Leier. Es handelt sich hier um ein Vierfach-System. Die beiden Hauptkomponenten werden von manchen Leuten noch mit bloßem Auge getrennt. Wie gut könnt ihr noch gucken?

Ein guter Tip
Wegen der feuchter werdenden Nächte empfiehlt es sich bei der Beobachtung zuerst mit tiefer stehenden Objekten anzufangen. Und er erst vor Beobachtungsende die zenitnahen Sternbilder aufzusuchen. Dadurch läßt sich der Beschlag schon reduzieren. Eine ganz normal aufgerollte Pappe an der Teleskop-Öffnung wirkt besser, als jede Standard- Taukappe, da die Feuchtigkeit von der Pappe vor Erreichen der Optik aufgesaugt wird. Meine Pappe ist etwa dreimal länger als der Objektivdurchmesser. Beschlagen tut's erst ab großer Neigung.

Horido, Uwe H.

Sternbild Adler

Doppelsterne

Pi Aql RA: 19,49 Dekl. +11,82°
Farben: weiß und weißgelb
Helligkeit:6,2 und 6,9
Position: 106°
Abstand: 1",4


AquilaAdler
15 Aql RA: 19,05 Dekl. -4,03°
Farben: gelb und orange
Helligkeit:5,4 und 7,1
Position: 1990: 210° 2010: 210°
Abstand: 1990: 39" 2010: 39",5


Pi Aql Dieses ist der Fernrohranblick im 63 mm Refraktor bei 67x. Pi Aql ließ sich im 63 mm Refraktor auch bei 168x nicht mehr trennen. Er leuchtet rein weiß!

(Zeichnung vom 21.10.97 im 63 mm Refraktor bei 67x )



15 Aql 15 Aql leuchtet im Gelb; sein Begleiter Orange. Seine Distanz wird sich in 20 Jahren um 0,5" auf 39,5" vergrößern. Der Winkel bleibt gleich!
Anblick bei 67x im 63mm Refraktor

(Zeichnung vom 21.10.97 im 63 mm Refraktor bei 67x)



Mehrfachsysteme: Epsilon in der Leier
Epsilon Lyr
Beobachtungseindrücke
Ein bekannter und oft versuchter Doppelstern ist epsilon Lyr. Schon mit bloßem Auge in einer klaren Nacht ist es möglich, diesen Stern in seine beiden Hauptkomponenten (epsilon-1 und epsilon-2) zu zerlegen. Sie stehen mit 3,5 Bogenminuten genau an der Wahrnehmungsgrenze des bloßen Auges. Leichter geht die Trennung schon im Feldstecher, und in einem guten 2" Refraktor gelingt auch die Trennung der Sterne epsilon-1 und epsilon-2 in die Komponenten epsilon-1b und epsilon-2b. Allerdings braucht man in diesem kleinen Instrument eine sehr hohe Vergrößerung (ca. 168 x bei einem 2-Zöller) und man muß schon ein wenig geübt sein, da sich die engen Komponenten Epsilon-1 und Epsilon-2 nur als eine gezeichnete ausgemalte Acht darstellen lassen. Bei einem Blick in Lichtenhagen durch einen 8-Zoll-Spiegel (Erwins) wurde eine deutliche Trennung ab ca. 200 x erzielt. Allerdings zeichneten sich die Sterne spiegeltypisch-strahlenförmig ab. Im Fraunhofer mit 1,6m Brennweite (relativ farbfehlerfrei) zeigt sich neben dem ohnehin schon interessanten Stelldichein ein toller Farbkontrast. Epsilon-1 leuchtet orange und epsilon-1b leuchtet blau, die anderen beiden orange. Die oben mit eingezeichneten Sterne E und F geben zur Orientierung für zukünftige Beobachtungen die Lage der Doppelsterne wieder.

Technische Daten
Die Umlaufzeit des Systems epsilon-1 beträgt 1166 Jahre und vom System epsilon-2 585Jahre. Das ist so langsam, daß man zeichnerisch erst in einigen Jahrzehnten deutliche Bewegung registrieren kann. Die Helligkeiten liegen zwischen 5. und 6. Größe. Die Abstände des epsilon-1-Systems bei 2,5" und des anderen bei 2,3". Der Positionswinkel bei 350° und 82°.


Nebel: Hantelnebel (M27) im Füchschen (Vul)

Zeichnung von M27


Der Hantelnebel im Sternbild Füchschen kann bereits mit Fernrohren ab 5 cm Öffnung gefunden werden. Man findet in am einfachsten, wenn man von g Sge (Pfeil) ca. 276 Bogenminuten nach Norden wandert. Er zeigt sich im kleineren Fernrohr als milchiges ovales Scheibchen. Die typische Struktur einer Fausthantel, die diesen Nebel ausmacht, wird erst in größeren Teleskopen deutlich sichtbar. Dann kann auch der Zentralstern ca. 13. Größenklasse ausgemacht werden. M27 gehört zu den sogenannten planetarischen Nebeln [Dieser Ausdruck wurde von Herschel geprägt, der behauptete, daß diese Nebel wie Planetenscheibchen am Himmel hängen]. In Wirklichkeit besteht er aus angeleuchtetem Gas und Staubpartikeln mit einer derzeitigen Ausdehnung von zweieinhalb Lichtjahren. Seine Gesamthelligkeit beträgt 7.m6 und ist wahrscheinlich etwa 900 Lichtjahre von uns entfernt.

Für Amateurzeichner ist er auf alle Fälle ein empfehlenswertes Objekt, da nicht nur die Nebelform als solches leicht zeichenbar ist, sondern auch die Umgebungssterne zu einem tollen Motiv beitragen.

SternRA
(h:min)
Decl
(°)
Hell.AusdehnungFarbe Besonderheiten
M27 19:59,6 +22,43 7,6 350"x910"milchigHantelförmig, Zentralstern



Doppelsterne: Schwan (Cyg)

beta Cygni Beta Cyg ist ein sehr schön anzuschauender Doppelstern. Er leuchtet orange und sein Begleiter ist grün. Bei diesem schönen Farbkontrast macht das Beobachten richtig Spaß. Die Komponenten stehen weit auseinander, so daß ihre Trennung mit einfachen Mitteln gelingt

(Anblick im 4"-Refraktor, 128x, D4,R2, 7.8.98)



der Doppelstern 10H In der Nähe von bCyg (ca. 10 H und 0,5°) befindet sich ein weiterer Doppelstern in einem markanten Sternenfeld. Beide Sterne leuchten weiß.

(Anblick im 4" Refraktor, 128x, D4,R3, 7.8.98)



31 Cygni Tolle Kontraste bietet auch 31 Cyg. 31 Cyg leuchtet organgegelb und sein Begleiter blau. Der Stern auf 11h ist heller als die B- Komponente, wodurch das Bild zu einem interessanten Sternenfeld erscheint. Hier stehen die Komponenten weit auseinander, so daß eine Trennung leicht gelingt.

(Anblick im 4" Refraktor, 128x, D4,R3, 7.8.98)




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