BEOBACHTUNGEN MIT KLEINEN INSTRUMENTEN

Liebe Sternfreunde,

weil die meisten von Euch nach der letzten Umfrage in meinem kleinen Vortrag vom 2.10.98 über Teleskope verfügen, liegt hierin meiner Meinung nach eine fundamentale Grundlage für gemeinschaftliche Beobachtungen der besonderen Art!

Ich möchte Euch meine Idee einmal nahebringen! Ich habe mir vorgenommen, in den nächsten Rundbriefen für Euch immer die schönsten Objekte zur passenden Jahreszeit auszuwählen und zu versuchen, möglichst viel Interessantes über sie herauszufinden und dieses durch eigene Zeichnungen am Fernrohr zu belegen (sobald das Wetter mitspielt).

Wer interessiert ist, kann sich dann das eine oder andere vorgestellte Objekt ebenfalls vorknöpfen und etwas zur Beobachtung schreiben oder eine kleine Skizze anfertigen. An einem normalerweise bewölkten Freitagabend können wir dann gemeinsam die Erlebnisse, Zeichnungen und Eindrücke, die Ihr mit den Objekten hattet, bestaunen und bewundern.

Wegen der seltenen Gelegenheiten, gemeinsam in klare Nächte zu fahren, liegt in dieser Art der Darstellungsweise astronomischer Objekte ein ganz besonderer Reiz, gleiche Objekte mit verschiedenen Instrumenten aufzuzeichnen und an einem vortragsfreien, bewölkten Freitagabend Gleichgesinnten zu präsentieren! Was haltet Ihr davon??

Und jetzt zur Praxis:

Zeichnungen von Sternen durch das Fernglas oder Fernrohr sind einfacher als man denkt. Planetenzeichnungen sind um einiges schwerer (Ich kann es jedenfalls nicht!). Das Instrument braucht nur auf den Himmelskörper gerichtet zu werden und schon kann’s losgehen. Was jetzt im Okular erscheint, ist real! Die Anzahl der Sterne, die Bildhelligkeit und die Schärfe ist nur noch vom Seeing, vom Instrument und vom Auge des Beobachters abhängig. Die Eindrücke, die Ihr jetzt erfahrt, sind einmalig, und jeder erlebt sie etwas anders. Es ist schwieriger, zu umschreiben, was man sieht, als es zu zeichnen oder gar zu fotografieren*. Deswegen ist für mich die Zeichnung mit etwas Kommentar über den Beobachtungseindruck das "non plus ultra" in der Hobbyastronomie geworden. Bei zwei unterschiedlichen Beobachtungstagen kann einem ein Objekt schon im gleichen Instrument wieder ganz fremd erscheinen, weil sich z. B.: die Witterungsverhältnisse oder der Beobachtungsstandort geändert haben. In den letzten zwei Ausgaben hatte ich schon ein paar Versuche gestartet.

Ich beobachte meistens von der Stadt aus mit einem 60 mm Refraktor mit 840 mm Brennweite und einem 100mm Refraktor mit 1600mm Brennweite. Vergleichbare Spiegel wären gute 4- 6 Zöller. Das Seeing ist eigentlich immer mäßig bis schlecht. Ich zeichne mit einem Bleistift auf eine Zeichenschablone (haben wir im Astroarchiv). Später wird die Zeichnung mittels Zeichenprogramm im PC abgezeichnet oder eingescannt und invertiert (Schwarz -Weiß Umkehr), damit ich sie Euch besser präsentieren kann (Wer daran interessiert ist, dem kann ich sehr gerne meine "Technik" zeigen, es ist ganz einfach).

Die dunklen Kreise stellen den Okularanblick dar. Die Grafiken sind so zu verstehen, daß Norden oben ist und Osten rechts liegt.

Die hellen Punkte stellen die Sterne dar. Die Kombination von weißen Sternen auf schwarzem Hintergrund ermöglicht einen realistischen Anblick. Je heller ein Stern leuchtet, desto größer wird er von mir dargestellt. Manchmal befindet sich um den Stern noch ein kleiner weißer Ring. Das ist der Beugungsring meiner Instrumente. Die Grafiken habe ich möglichst genauso angefertigt, wie mir die Sterne in der Beobachtungsnacht erschienen sind. Der Durchmesser einer Graphik entspricht einem Gesichtsfeld. Nebel oder diffuse Objekte lassen sich im PC schlechter darstellen. Auch bei den eingescannten Zeichnungen hat die Kopie von nicht punktförmigen Bleistiftzeichnungen wegen der Grautönung ihre Grenzen. Bei Positionsangaben, z. B.: Positionswinkel 70° ist der Winkel gemeint, den ein Objekt zu einem Bezugspunkt (Mittelpunkt, Hauptstern u.ä.) hat (siehe Skizze oben). Ist das umschriebene Objekt nicht eindeutig im Sternengewimmel zu erkennen, wird es durch einen Pfeil gekennzeichnet.

Das "D" in den Zeichenlegenden steht für Durchsicht. Wobei D1 bedeutet sehr gut (Teneriffa, Mount Palomar, Kenia) und D5 sehr schlecht (Göttingen mit Dunst). Das "R" steht für Luftruhe (z.B.: R1 - keine wabernden Planetenscheiben; R5 - Planetenscheiben sind unscharf und springen förmlich auf und ab)

Wenn Ihr versucht, die Anblicke einmal selbst nachzuvollziehen, solltet Ihr möglichst gleiche Vergrößerungen wählen und Okulare mit gleichen Gesichtsfeldern verwenden. Es wäre sicher sehr interessant, Vergleiche zu ziehen! Wie Vergrößerungen oder Gesichtsfelder errechnet werden, kann ich Interessierten gerne einmal zeigen.

Ich würde mich freuen, wenn diese Idee Anhänger findet. Es wäre eine einmalig gute Sache, Präsentationen von verschiedenen Leuten und mit verschiedenen Techniken und Instrumenten über gleiche Objekte zu erhalten. Zum Beispiel finde ich es gerade für Einsteiger hilfreich, bei der Ermittlung "ihres passenden Fernrohres" mithelfen zu können. Denn die Versprechungen bei Meade oder Vixen sind in Mitteleuropa nicht oder nur ganz ganz selten zu erreichen. Auf den folgenden Seiten findet Ihr ein paar ausgesuchte Beispiele, welche Vorschläge habt Ihr?

Viel Spaß beim Beobachten....

.....Uwe Helten


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 14.02.1999