Der Stern der Weisen

Im nüchternen Zeitalter der Raumfahrt ist man leicht geneigt, die Geschichte des "Sterns von Bethlehem", der den heiligen drei Königen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe Jesu Christi gewiesen haben soll, als fromme Legende abzutun. Die Frage bleibt jedoch: Gab es zur Zeit von Christi Geburt ein Ereignis am Sternenhimmel, das als Stern von Bethlehem gedeutet werden kann ???

Wie wir heute wissen, ist den Historikern bei der Bestimmung des Geburtsdatums Christi einst ein Fehler unterlaufen. Nicht im Jahre 0 oder 1 erblickte der Gottessohn das Licht dieser Welt, sondern schon im Jahre -6 astronomischer Zeitrechnung.

War damals ein besonderes Himmelsereignis beobachtet worden, etwa ein heller Komet, ein plötzlich auftauchender neuer Stern (Supernova) oder eine seltene Planetenkonstellation?

Drei Theorien wurden in der Wissenschaft diskutiert:

1. Der Halley'sche Komet.

Unter dem Eindruck der Wiederkehr des Halley'schen Kometen 1301 malte der florentinische Künstler Giotto di Bondone die Anbetung Jesu durch die drei Weisen aus dem Morgenland, wobei er den Stern von Bethlehem deutlich als Kometen gestaltete. Giottos Darstellung förderte die falsche Auffassung, es sei der Halley'sche Komet gewesen, dem die Weisen dem biblischen Bericht nach gefolgt sind (das Bild hängt in der Arena-Kapelle von Padua).

Nachdem der modernen Astronomie aber die Bahnparameter des Kometen Halley bestens bekannt sind, kann man nachweisen, daß der Komet zum entsprechenden damaligen Zeitpunkt nicht sichtbar war. Aber der italienische Künstler Giotto war der Namensgeber der europäischen Raumsonde, die 1986 spektakuläre Bilder des Kometen anfertigte.

2. Der Planet Venus:

Der Planet Venus ist nach Sonne und Mond das hellste Objekt am Himmel. Dadurch, daß der Planet innerhalb der Erdbahn die Sonne umkreist, ist die Venus nur morgens oder abends zu sehen. Sie ist der hellste Planet am Himmel, und dadurch sehr auffällig. Es wäre also denkbar, daß der Planet Venus den drei Weisen den Weg gewiesen hat.

Die Erzählung vom Weihnachtsstern basiert auf eine Stelle des Matthäus-Evangeliums. Dort ist allerdings weder die Rede von Königen noch von der Zahl drei, sondern von den "Magiern, die von den Aufgängen" her kamen. "Von den Aufgängen" bedeutet aus dem Osten. Im Osten geht die Sonne auf (...und auch alle anderen Himmelsobjekte). Von Palästina aus gesehen lag Babylon in östlicher Richtung.

Das bedeutet wiederum, daß der Weihnachtsstern in westlicher Richtung zu sehen war. Rechnungen zeigten, daß zum entsprechenden Zeitpunkt im Jahre -6 die Venus nicht am Abendhimmel zu sehen war.

3. Große Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn:

Lange forschten die Gelehrten einen unfruchtbaren Streit, was wohl der Weihnachtsstern gewesen sein mochte. Erst die Entzifferung von Keilschrifttexten auf Tontäfelchen, die einen tieferen Einblick in die spätbabylonische Astronomie und in die Kenntnisse der damaligen Schriftgelehrten ermöglichte, hat eine Version bekräftigt, die schon der bedeutende Astronom Johannes Kepler (1571-1630) erwähnt: Die dreifache Begegnung (Große Konjunktion) der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische im Jahre -6.

Damals wurde der Lauf der Planeten als Willensäußerungen von Gottheiten (man sah in den Gestirnen Götter und Dämonen) gedeutet. Jupiter wurde von den spätbabylonischen Astronomen als Stadtgottheit von Babylon verehrt und hieß bei ihnen Marduk, Saturn (Kewan) wiederum stand für die Israeliten. Der Tierkreis war nach Ländern aufgeteilt. Das Sternbild Fische symbolisierte Palästina. Und nun traf sich Jupiter in den Fischen dreimal mit Saturn, dem König der Juden. Diese sog. Große Kunjunktion (ein seltenes Ereignis am Himmel) war wohl für sie das Signal, daß ein Thronfolger in Jerusalem zur Welt gekommen sein müsse. So machten sie sich auf die rund tausend Kilometer lange Reise nach Jerusalem, um den neugeborenen König der Juden zu huldigen. Herodes war denn auch sehr überrascht über den orientalischen Besuch, denn niemand wußte etwas von einem neugeborenen Nachfolger oder einem "Stern". Dies ist übrigens ein wichtiger Gesichtspunkt zur Stützung von Keplers Hypothese, denn ein heller Komet oder eine Supernova wäre auch den jüdischen Astronomen aufgefallen. Immer wieder tauchen andere Erklärungsversuche auf. Aber die astronomischen Fakten lassen Keplers Idee am schlüssigsten erscheinen.

Saturn/Jupiter Konjunktion im Sternbild der Fische

Mögliche Daten (Jerusalem, Israel, 31°47’ Nord / 35°13’ Ost)

Datum

Jahr

Weltzeit

Abstand

27. Mai

7 v. Chr. (-6 Astronom.)

03 h 49 m

0,999°

30 Sep

7 v. Chr. (-6 Astronom.)

05 h 28 m

0,975°

08. Dez

7 v. Chr. (-6 Astronom.)

01 h 01 m

1,064°


Jupiter
RA

23h16m38s

Dec

-06°12’03"

Azimut

238°13’51"

Höhe

31°21’51"

Entfernung

5,12 AE

Heliozentrische Entferung

4,97 AE

Aufgang

11:07

Untergang

22:40

Durchgang

16:54

Scheinbare Größe

-2,32

Scheinbarer Durchmesser

38,5"

Beleuchtung

99%


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 17.04.1999