NGC 891: Die Beobachtung schwacher Flächenhelligkeiten

"Der erste Kontakt"

Ein Artikel im neuen Magellan brachte mich auf die Idee für diesen Artikel. Dort schrieb Uwe Pilz aus Leipzig über seinen langen Anlauf, bis er NGC 891 erfolgreich sichten konnte. Das hatte ich ähnlich erlebt. Sein Artikel hieß denn auch: Der weite Weg zu NGC 891.

Den Karkoschka besaß ich nun schon seit 1991, und das Durchstudieren seiner Beschreibungen der DeepSkyObjekte ließ NGC 891 auf den ersten Blick gar nicht so schwierig erscheinen. Immerhin hatte ich mit den Jahren ja auch schon einige als schwierig verschriene Galaxien sichten können: Beispielsweise M74 in den Fischen oder M101 im Großen Bären. Beides Objekte, die einen unbedingt dunklen Himmel voraussetzen.

Nachdem ich sie voller Stolz in meinem Zeichnungsarchiv bereits "eingebaut" hatte, fehlte mir NGC 891 als weitere Trophäe noch. Aber genau genommen kenne ich NGC 891 schon etwas länger.

Als eifriger LP-Sammler kam mir "NGC 891" das erste Mal in den späten 70er Jahren auf einem Plattencover entgegen. Dann ergatterte ich das schöne Celestial Handbook von Robert Burnham. Hier fehlte NGC 891 natürlich auch nicht. Dann gab es einen Artikel im interstellarum (über den ist wohl auch Uwe Pilz gestolpert): Dieses Mitteilungsblatt für Deep-Sky-Fundamentalisten hatte ("hatte", weil interstellarum nicht mehr erscheint) es ja in sich. Jedenfalls brachte die Ausgabe 11/95 eine schöne Serie mit 10 CCD-Bildern, Fotos bzw. Zeichnungen über NGC 891 als "Objekt der Saison". Nun begann mich der Ehrgeiz zu packen. Den ersten Versuch unternahm ich am 27.12.1995 mit einem gerade erworbenen 20x77 Miyauchi-Feldstecher von meinem Geismarer Standort aus bei recht dunklem Himmel. Trotz zahlreicher Anläufe schlug dieser erste Versuch fehl. Nichts.

Als ich mit Britta Lohmann am 28.12.1995 in Volkerode war, und wir bei -15° gut 4 Stunden durchhielten, versuchte ich es mit den Teilkreisen der ZEISS-Ib und dem C8. Wieder nichts. Dabei war die Durchsicht so gut, dass wir bei halbem Mond noch immer den Erdschein auf dem Mond sehen konnten(!). Die Bedingungen waren hervorragend. Trotzdem: Es blieb negativ. Das gab es doch nicht!? Ich erinnerte mich an erfolgreiche Sichtungen von z. B. M74, die ja nun wirklich nicht einfach ist. Oder der berühmten M101 mit einer nachgewiesenen Flächenhelligkeit von 14 mag (s. o.) LM±! Im Geiste grummelte ich immer noch vor mich hin. "NGC 404 neben beta And ist doch auch ganz einfach."

"Geduld die Sache des jungen Fernrohr-Jedi ist", würde jetzt Joda sicher sagen.

Am 26.09.1997 mitten in der Zeit, als ich massive Probleme mit meiner Montierung hatte (Ihr wisst, was ich meine), bekam ich wieder eine Supernacht serviert. NGC 7000 konnte man fast mit bloßen Augen sehen. Da startete ich meinen dritten Versuch (ist ja in Grimms Märchen bei dem Prinzen auch immer so...) und: Moment! - Da war was. Ich bewegte das Fernrohr etwas und siehe da! Eine Aufhellung!! Bei indirektem Sehen erkannte ich schwach eine linsenartige Form. Aber mehr war auch nicht drin. Von Strukturen oder dem Staubband ganz zu schweigen. Trotzdem holte ich aufgeregt meine Zeichensachen. Bequem hingesetzt. Noch mal das Brett zurecht gerückt und den Sitz der Rotlichtlampe überprüft. Schließlich war ich ganz stolz, NGC 891 endlich bezwungen zu haben J J J.

Bleibt noch nachzutragen, dass später nach wie vor schwierige Objekte in meinem 20x77 leicht zu sehen waren, wenn nur die Sichtbedingungen gut waren. Ließ sich doch M101 am 23.4.1998 im 20x77 leicht und deutlich ausmachen (Lichtenhagen 21:30 Uhr MEZ). Und in Amateurkreisen zählt NGC 101 auch zu den "schwierigen" Objekten.

Hier einige Beispiele:

  Karkoschka
Atlas für Himmelbeobachter
GRAGIN, LUCYK, RAPPAPORT
DEEPSKY FIELD GUIDE
Objekt magmag/5'** Größe mag mag/(1')²Größe [']
NGC 891 10.510 12 9,9 13.7 13x2,8
M 74 9.511 8 9.4 14.4 11x11
M 101 (=NGC 5457) 8 11 20 7.9 14.8 26x26
** Das Zeichen <'> steht für eine Bogenminute, also den 60-sten Teil eines Bogengrades (Zwei Vollmondurchmesser am Himmel). Zu der Tabelle gleich mehr.

B. Faustzahlen für Galaxien-Jäger (und solche die es werden wollen)

"Indiana Jones und die Oberflächenhelligkeit", könnte es bei der Jagd auf schwächelnde Galaxien heißen. Warum sind trotz verheißungsvoller Helligkeitsangaben in der Literatur (z. B. bei M 101: 8m.0) diese Objekte trotzdem so schwer zu packen?

Erich Karkoschkas Angaben in seinem Atlas für Himmelsbeobachter geben den Einsteigern bereits eine erste gute Orientierung. Im Tabellenkopf zu den Nebelobjekten ist dort eine Spalte angegeben mit der Überschrift: Helligkeit in m/(5'). Dabei wird die integrale, das ganze Objekt umfassende Helligkeit eben nicht auf einen Punkt, sondern auf jeweils 5 Quadratbogenminuten verteilt. Die Helligkeiten erscheinen entsprechend schwächer und weisen damit auf den Unterschied zur Beobachtung von Sternen hin. Ist das flächenhafte Objekt eher klein, besteht kaum ein Unterschied zwiscghen der integralen und der auf 5 Quadratbogenminuten verteilten Helligkeit.

Der Deep Sky Field Guide von Gragin, Lucyk, Rappaport enthält noch eine weiter verfeinerte Angabe zur Flächenhelligkeit. In den Vorbemerkungen zu den Tabellen fand ich dabei etwas Interessantes zu Helligkeitsangaben für Galaxien allgemein (Dort auf Seite 7): Hier wird die Helligkeit nur mehr auf eine Quadratbogenminute bezogen, also auf eine noch kleinere Fläche. Zudem geben die drei Autoren einige Faustzahlen an: Egal wie die Angabe der integralen (also gesamten) Helligkeit ist, sind Galaxien mit Flächenhelligkeiten schwächer als 14.5 m/(1') als schwierige Objekte einzuordnen. Die "Durchschnittsgalaxie" hat eine Oberflächenhelligkeit von 13m.5; während die hellsten Oberflächenhelligkeiten Werte von etwa 12m.5 haben.

NGC 891
Bild: Zeichnung von NGC 891
(Erläuterung im Text)

Beispiel: Andromedagalaxie

Die Galaxie M31 ist ein Objekt fürs bloße Auge, hat aber eine geringe Oberflächenhelligkeit von 13m.6, typisch für mittelhelle Spiralgalaxien. Der kleine Begleiter, M32, ist fast 5 mag schwächer in der Gesamthelligkeit, aber in kleinen Doppelgläsern gut zu sehen wegen seiner hohen Obeflächenhelligkeit von 12m.7! Der andere Begleiter, NGC 205, obwohl er die selbe Gesamthelligkeit wie M32 hat, ist sehr viel schwerer zu sehen wegen seiner geringeren mittleren Oberflächenhelligkeit von 13m.9.

Viel Spaß beim Beobachten!

Matthias Elsen


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© Die AVG Internet-Redaktion. Letzte Änderung: 23.04.2000