Einführung in die Astronomie Teil 1 - Der Sternenhimmel

1.1 Welche Himmelsobjekte gibt es?




Es folgt eine kleine Aufzählung der Arten von Himmelsobjekten, die von Hobbyastronomen mit bloßem Auge, Fernglas und Teleskop beobachtet werden können. Aus gutem Grund habe ich in dieser Seite keine Fotos von Himmelsobjekten eingebaut, sondern Zeichnungen. In Amateurteleskopen sehen die Himmelsobjekte lange nicht so eindrucksvoll aus, wie auf schönen, bunten Bildern in Astronomiebüchern. Nebel und Galaxien erscheinen nur als matte, graue Flecken und Planeten haben beim Blick durch ein kleines Teleskop nur die Größe eines Stecknadelkopfes.

Die meisten Zeichnungen stammen von Detlev Niechoy (vielen Dank dafür, Detlev!). Er ist ein Meister auf diesem Gebiet. Solche Zeichnungen verlangen jahrelange Erfahrung. Seien Sie daher bitte nicht enttäuscht, wenn Sie beim ersten Blick durch ein Teleskop weniger sehen.

Sonne:
Die Sonne ist mit 1.392.000km Durchmesser das größte Objekt unseres Sonnensystems. Sie ist so groß, daß die Erde in ihr 1294000 mal Platz hätte. Ihre Oberflächentemperatur beträgt 6000°C. Die Sonne bezieht ihre Energie durch Umwandlung von Wasserstoff zu Helium.
Im Teleskop sieht man gelegentlich dunkle Sonnenflecken (ca. 1500°C kühlere Stellen auf der Sonnenoberfläche). Mit speziellem Teleskopzubehör (teuer!) wie z.B. Protuberanzenansatz oder H-alpha-Filter kann man noch weitere Einzelheiten auf der Sonne erkennen. Aber Achtung: niemals mit bloßem Auge, Fernglas oder Fernrohr direkt in die Sonne schauen. Schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung können die Folge sein!

Mond:

Der Mond (Durchmesser: 3476km) umkreist die Erde in einem Abstand von 384.400km. Schon mit einem kleinen Fernrohr erkennt man zahlreiche Gebirge und Krater. Die beste Zeit für die Mondbeobachtung bieten die Tage um das 1. bzw. letzte Viertel. Der Mond kehrt der Erde stets die selbe Seite zu, so daß die Mondrückseite erst mit Hilfe von Raumsonden erforscht werden konnte.

Merkur:

Merkur-Zeichnung Merkur ist mit einer mittleren Entfernung von 57.9Mill km von der Sonne der sonnennächste (d.h. innerste) Planet. Seine Oberflächentemperatur schwankt zwischen +400° und -100°C. Merkur steht recht Nahe bei der Sonne am Himmel. Daher ist er auch nur für kurze Zeit vor Sonnenaufgang am Morgenhimmel bzw. nach Sonnenuntergang am Abendhimmel sichtbar. Die besten Zeiten für die Merkurbeobachtung von Europa aus ergeben sich im Frühling kurz nach Sonnenuntergang und im Herbst kurz vor Sonnenaufgang.

Venus:

Venus-Zeichnung Die Venus ist mit einer Entfernung von 108.2Mill km von der Sonne der zweitinnerste Planet. Sie kann als sehr heller Abend- oder Morgenstern gesehen werden. Venus ist nach Sonne und Mond das hellste Gestirn am Himmel. Ihre Oberfäche ist von einer undurchsichtigen Atmosphäre aus Kohlendioxid umgeben. Wegen des damit verbundenen Treibhauseffekts ist es auf der Venus so heiß, daß selbst Blei schmelzen würde (+400°C). Im Fernrohr zeigt die Venus ähnliche Lichtphasen wie unser Mond.

Erde:

Sie ist mit einer Entfernung von 150Mill km von der Sonne der drittinnerste Planet. Die Erde ist der einzige bekannte Platz im Universum auf dem menschliches Leben möglich ist.

Mars:

Mars-Zeichnung Mars ist der 4. Planet im Sonnensystem (Entfernung von der Sonne: 228Mill km). Von der Erde aus gesehen sieht Mars aus wie ein sehr heller rötlicher Stern. Im Fernrohr erkennt man bei starker Vergrößerung mehrere Oberflächendetails sowie seine Polkappen aus gefrorenem Kohlendioxid. Gelegentlich kommt es vor, daß Sandstürme den Planeten einhüllen und die Sicht auf seine Oberfläche versperren. Mars besitzt zwei kleine Monde, die jedoch zu klein sind um sie in Amatuerfernrohren zu sehen.

Kleinplaneten:

Zwischen Mars und Jupiter erstreckt sich eine Zone, in der sich tausende kleiner Himmelskörper, die sog. Kleinplaneten (manchmal auch Asteroiden bzw. Planetoiden genannt), befinden. Der größte von ihnen, Ceres ist nur 914km groß. Um sie zu sehen, benötigt man ein Fernglas und eine gute Sternkarte, denn man muß sehr genau wissen, wo man sie am Himmel zu suchen hat. Denn sonst hat man keine Chance sie zu finden.
Kleinplaneten sehen im Fernglas oder Teleskop nur punktförmig aus - genau wie Sterne auch. Man erkennt sie nur daran, daß sie sich innerhalb von mehreren Nächten relativ zu den Sternen bewegen.

Jupiter:

Jupiter-Zeichnung Jupiter ist der 5. (Entfernung von der Sonne: 778Mill km) und größte Planet im Sonnensytem. Sein Äquatordurchmesser beträgt 143.000km. Mit bloßem Auge betrachtet ist Jupiter eines der auffälligsten Gestirne am Nachthimmel. Schon mit einem Fernglas sieht man die 4 größten der 16 Jupitermonde. Im Teleskop erkennt man auf Jupiter mehrere Bänder und Flecken, bei denen es sich um Strukturen in seiner Atmosphäre (Hoch- und Tiefdruckgebiete, Wirbelstürme) handelt. Außerdem sieht man, daß Jupiter stark abgeplattet ist - eine Folge seiner schnellen Rotation. Jupiter dreht sich in weniger als 10 Stunden einmal um seine Achse. Auch Jupiter besizt ein Ringsystem. Jedoch sind seine Ringe so schmal, daß man sie in Amateurteleskopen nicht sehen kann.

Saturn:

Saturn-Zeichnung Der 6. Planet (Entfernung von der Sonne: 1.4Mrd km).
Wird oft wegen seines Ringes als "der schönste" Planet im Sonnensystem" bezeichnet. Um den Ring zu sehen, genügt schon ein Fernrohr mit 50mm Objektivöffnung und 50-fache Vergrößerung. Mit bloßem Auge sieht Saturn wie ein heller Stern aus. Der Planet wird von mindestens 18 Monden begleitet. Die größten kann man schon in Amateurfernrohen sehen.

Uranus:

Der 7. Planet (Entfernung von der Sonne: 2.87Mrd km).
Uranus ist der erste Planet, der mit Hilfe des Teleskops entdeckt wurde (1781). Um ihn zu sehen, braucht man mindestens ein Fernglas und eine gute Sternkarte. Im Fernrohr erscheint er als ein winziges, blau-grünes Scheibchen ohne irgendwelche Oberflächendetails. Uranus besitzt 17 Monde und 9 schmale, dunkle Ringe, die jedoch nicht in Amateurteleskopen gesehen werden können.

Neptun:

Der 8. Planet (Entfernung von der Sonne: 4.5Mrd km).
Neptuns Existenz wurde 1846 aufgrund von Störungen in der Uranusbahn theoretisch vorhergesagt. Um Neptun sehen zu können genügt ein Fernglas und eine sehr gute Sternkarte. Im Fernrohr erscheint er als ein winziges Scheibchen ohne erkennbare Details. Die 8 Neptunmonde und die 4 Neptunringe sind in Amateurteleskopen unsichtbar.

Pluto:

Pluto ist mit einer mittleren Entfernung von 5.9Mrd km von der Sonne der äußerste Planet. Seine Umlaufbahn ist sehr exzentrisch (ellipsenförmig), so daß sie zum Teil innerhalb der Neptunbahn verläuft (von 1979 bis 1999 ist Pluto der Sonne näher als Neptun). Um Pluto zu sehen braucht man schon ein großes Amateurfernrohr (ca. 40cm Öffnung), einen sehr dunklen Himmel und eine sehr gute Sternkarte (man muß schon ganz genau wissen, wo man ihn suchen muß). Obwohl Pluto der kleinste Planet im Sonnensystem ist (Duchmesser: 2340km, d.h. er ist kleiner als unser Mond!), besitzt er einen 1200km großen Mond.

Sternschnuppen:

Bei Sternschnuppen (auch Meteore genannt) handelt es sich um Kleinkörper (z.B. Staub) aus dem Sonnensystem, die in die Erdatmosphäre eintreten und dort verglühen. Manchmal gelangen unverglühte Reste davon auf die Erdoberfläche. Diese Reste bezeichnet man als dann Meteoriten.

Zodikallicht:

Beim Zodikallicht (auch Tierkreislicht) handelt es sich um eine pyramidenförmige Erhellung des Himmels über der Sonnenauf- bzw. Untergansstelle (nicht zu verwechseln mit der Dämmerung!). Das Zodikallicht entsteht durch Reflexion des Sonnenlichts an Staubwolken in der Ekliptik.

Kometen:

Zeichnung von Hale-Bopp 1997 Bei Kometen handelt es sich um einige km große Körper aus Eis und Staub, die die Sonne auf extrem langgestreckten, ellipsenförmigen Bahnen umkreisen. Kommt ein Komet in Sonnennähe, so beginnt er zu verdampfen und bildet dabei einen mehr oder weniger auffälligen Schweif. Die Zeichnug zeigt den Kopf des Kometen Hale-Bopp im Frühjahr 1997.

Sterne:

Bei Sternen handelt es sich um selbstleuchtende Himmelskörper, die ihre Energie durch Prozesse aus ihrem Inneren beziehen. Die kleinsten Sterne (weiße Zwerge) sind nicht viel größer als ein Planet, während die größten (Überriesen) bis zu 1000 mal größer als unsere Sonne sind. Alle Sterne, außer unserer Sonne, sind so weit weg (viele Billionen km), daß sie im Teleskop auch bei stärkster Vergrößerung nur punktförmig erscheinen.

Doppelsterne:

Beta Cygni Als Doppelsterne bezeichnet man Sternpaare, die nahe am Himmel beieinander stehen. Wenn die Sterne nur zufällig von der Erde aus gesehen nebeneinander stehen und in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun haben, spricht man von "optischen Doppelsternen". Falls die Sterne wirklich räumlich eng beieinander stehen und sich gegenseitig umkreisen, dann bezeichnet man sie als "physische Doppelsterne".
Das nebenstehende Bild zeigt den Doppelsten Beta Cygni im Sternbild Schwan (die beiden bunten Sterne), gezeichnet von Uwe Helten.

Veränderliche Sterne:

R Leonis und Vergleichssterne Als Veränderliche Sterne bezeichnet man Sterne, deren Helligkeit variiert. Der Grund dafür können Bedeckungen eines Sterns durch einen anderen (Bedeckungsveränderliche) oder physische Veränderungen im Stern selber (z.B. Pulsation der Sternatmosphäre) sein. Die Zeichnung zeigt den Veränderlichen R Leonis und einige Vergleichssterne.
Typische Objekte: Algol im Perseus (Bedeckumgsveränderlicher), Delta Cephei (Pulsationsveränderlicher)

Novae:

Novae sind eine Form der Veränderlichen Sterne. Sie zeigen einen plötzlichen Helligkeitsanstieg (innerhalb von Stunden bis Monaten) um einen Faktor 1000 bis 100.000.000, um dann innerhalb mehrerer Jahren wieder zu ihrer Normalhelligkeit zurüchzukehren. Bei Novae handelt es sich um enge Doppelsterne aus einem weißen Zwerg und einem kühlen roten Stern. Der rote Stern gibt Masse an den weißen Zwerg ab. Bei einer bestimmten Temperatur kommt es dann auf dem weißen Zwerg zu einer Expolsion.

Supernovae:

Supernovae zeigen einen ähnlichen Helligkeitsverlauf wie Novae, aber mit einem wesentlich stärkerem Helligkeitsausbruch (um einen Faktor von 100.000.000 und mehr). Eine Supernova entsteht z.B. durch den Zusammenbruch eines massereichen Sterns am Ende seines Lebens.
Supernovae sind so hell, daß man sogar mit Amateurteleskopen noch Supernovaeausbrüche beobachten kann, die in weit entfernten Galaxien stattfinden. Aber leider (Gott sei Dank?) sind Supernovae recht selten.

Offene Sternhaufen:

Zeichnung von M35 Als offene Sternhaufen bezeichnet man lockere Gruppen von etwa 20 bis 300 Sternen. Da man offene Sternhaufen hauptsächlich Nahe der Milchstraßenebene findet, nennt man sie auch galaktische Sternhaufen. Offene Sternhaufen sind sehr schöne Objekte im Feldstecher oder kleinem Fernrohr. Die Zeichnung zeigt den offenen Sternhaufen M35 im Sternbild Zwillinge.
Typisches Objekt: Plejaden (M45)

Kugelsternhaufen:

Zeichnung von M13 Dichte Ansammlungen von Sternen mit zwischen 10.000 und 10.000.000 Mitgliedern.
Kugelsternhaufen erscheinen im Fernglas oder kleinem Fernrohr nur als blaße Nebelflecken. In größeren Amateurteleskopen (ab 15 bis 20cm Objektivöffnung) werden sie zu einem Diadem am Himmel!
Typisches Objekt: M13 im Herkules.

Gasnebel:

Zeichnung von M42 Bei Gasnebeln handelt es sich um eine wolkenartige Verdichtung interstellarer Materie, die durch nahe Sterne beleuchtet (Reflexionsnebel) oder zum Leuchten angeregt wird (Emissionsnebel). Steht kein Stern in der Nähe, so bleiben sie dunkel (Dunkelwolken).
Um Gasnebel zu beobachten braucht man in der Regel einen sehr dunklen Himmel, eine lichtstarke Optik und eventuell einen sog. Nebelfilter. Sie erscheinen in kleinen Teleskopen nur als blaße, graue Objekte. Die Farben der Nebel kommen erst auf langbelichteten Fotos zum Vorschein. Also: Nicht enttäuscht sein, wenn die Nebel nicht so bunt aussehen wie auf Fotos in Astronomiebüchern!
Typisches Objekt: der große Orionnebel (M42)

Planetarische Nebel:

Zeichnung von M57 Bei Planetarischen Nebeln handelt es sich um mehr oder weniger regelmäßige ring-, oder kreisförmige Nebelflecken um einen Zentralstern (weißer Zwerg). Der Name stammt daher, daß diese Nebel bei der Beobachtung im Fernrohr aussehen wie ein kleines, blaß leuchtendes Planetenscheibchen.
Typisches Objekt: der Ringnebel in der Leier (M57)

Milchstraße:

Alle mit bloßem Auge sichtbaren Sterne (auch unsere Sonne), Sternhaufen sind Mitglieder eines ca. 100.000 Lichtjahre großen Sternsystems, der Milchstraße. Sie enthält ca. 200Mrd Sterne. Die Sterne in Sonnennähe sehen wir als einzelne Sterne über den ganzen Himmel verteilt, die entfernteren verschwimmen zu einem hellen Band (Michstraße). Die Milchstraße hat etwa die Form einer flachen Scheibe mit einer Verdickung in der Mitte. Unsere Sonne befindet sich in etwa 25.000 Lichtjahre Entfernung vom Zentrum.
Die Milchstraße erscheint am schönsten in den Sommermonaten. Um sie zu beobachten sollte man sich unbedingt einen dunklen Beobachtungsplatz suchen. Denn es macht riesigen Spaß von einem dunklen Platz aus mit einem Fernglas in der Milchstraße herumzustöbern!

Galaxien:

Zeichnung vom Andromeda-Nebel Galaxien sind Sternsysteme wie unsere Milchstraße. Sie erscheinen in Teleskop in der Regel nur als blaße, graue, verwaschene Objekte. Das Bild links zeigt das Zentrum des Andromeda-Nebels. Die oft typischen Spiralarme kommen erst auf langbelichteten Fotos zum Vorschein. Also nicht enttäuscht sein, wenn eine Galaxie im Teleskop nicht so schön aussieht wie auf einem Foto, das mit einem großen Teleskop gemacht wurde! Als Amateur mit kleinem Fernrohr können Sie froh sein, wenn Sie eine Galaxie überhaupt zu Gesicht bekommen.
Typisches Objekt: der Andromedanebel (M31)


Zu weiteren tollen Zeichnungen gelangen Sie über Detlev's Homepage:


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© Die AVG Internet-Redaktion, letzte Änderung: 08.04.2000