Einführung in die Astronomie Teil 1 - Der Sternenhimmel

1.2 Die wichtigsten Sternbilder




Blickt man fernab unserer Städte und sonstiger störender Lichtquellen in einer dunklen, klaren und mondlosen Nacht zum Himmel, so wird man von der Pracht des Sternenhimmels "einfach erschlagen". Tausende von Sternen funklen am Himmel und man hat jede Orientierung verloren. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich am Sternenhimmel zurechtzufinden. Man muß nur versuchen, von ein paar bekannten Sternbildern aus, sich den Rest des Himmels zu erschließen.

Der größte Teil unserer Sternbilder wurde vor mehr als 2000 Jahren von den alten Griechen eingeführt. Sie haben willkürlich Gruppen von Sternen zusammengefaßt und sie nach Figuren aus ihrer Mythologie benannt. Dementsprechend sind die Sterne eines Sternbildes verschieden weit von der Erde entfernt und haben auch in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun.

Entfernung der Sterne des Strnbild Orions
Das Sternbild Orion (links): Die Sterne dieses Sternbilds sind alle verschieden weit von der Erde entfernt (siehe Abb. rechts) und haben daher nichts miteinander zu tun. Die Entfernung der Sterne ist in Parsec und in Lichtjahre angegeben. Das Objekt mit der Bezeichnung 'M42' ist der Große Orion-Nebel. Die Größe der Erde ist nicht maßstabsgerecht!


Im folgenden sollen nun die wichtigsten Sternbilder vorgestellt werden:

Die Zirkumpolarsternbilder

Die "Zirkumpolarsternbilder" sind Sternbilder, die man zu jeder Jahreszeit die ganze Nacht hindurch am Himmel sehen kann. Immer vorausgesetzt natürlich, das der Himmel wolkenlos ist.

Das bekannteste Sternbild ist der "Große Wagen" - auch "Großer Bär" genannt. Im Frühling steht der große Wagen um Mitternacht genau senkrecht über uns. Im Herbst steht es dagegen tief über dem Nordhorizont.

Polarstern 2kB

Hat man dieses Sternbild einmal gefunden kann es gleich als Aufsuchhilfe für das Sternbild "kleinen Wagen" oder "kleiner Bär" dienen: Man braucht nur die Hinterkante des großen Wagens fünf mal zu verlängern und schon kommt man zu einem recht hellen Stern, den Polarstern. Kleiner Wagen 1kB Dieser Stern markiert recht genau (bis auf 0.75°) den nördlichen Himmelspol, d.h. den Punkt, um den sich der gesammte Himmel zu drehen scheint. Der Polarstern steht immer im Norden. Dieser Stern bildet das Ende der Deichsel des kleinen Wagens, ein Sternbild, das sonst nur aus schwachen Sternen besteht. Man braucht schon einen recht dunklen Himmel um dieses Sternbild vollständig erkennen zu können.
Viele Leute glauben, der Polarsten sei der hellste Stern am Himmel. Das trifft aber nicht zu. Zwar ist er mit einer scheinbaren Helligkeit von 2.08m der hellste Stern im kleinen Wagen, der hellste Stern am Himmel ist er deswegen noch lange nicht. Der hellste Stern ist Sirius im Sternbild "Großer Hund". Mit einer scheinbaren Helligkeit von -1.46m ist Sirius 26 mal heller als der Polarstern. Die Planeten Venus, Mars und Jupiter können sogar noch heller werden.

Die Zirkumpolarsternbilder 2.8kB Hat man erst einmal den großen Wagen und den Polarstern gefunden, so ist es recht einfach âuch die "Cassiopia" zu finden, denn sie steht dem großen Wagen vom Polarstern aus gesehen genau gegenüber. Die Cassiopeia sieht aus wie der Buchstabe "W". Daher wird sie auch als "Himmels-W" bezeichnet. Zwischen Cassiopeia und kleiner Wagen liegt das Sternbild "Cepheus" - ein recht unscheinbares Sternbild aus schwachen Sternen. Es sieht aus wie ein schief stehendes Haus.
Zwischen dem kleinen und dem großem Wagen schlängelt sich das Sternbild "Drache" entlang. Ein sehr langgestrecktes Sternbild, das gar nicht so einfach zusammenzubekommen ist.


Die Frühlingssternbilder

Im Frühling und Sommer kann man den goßen Wagen benutzen, um noch einen andern sehr hellen Stern zu finden. Und zwar Arcturus im Sternbild "Bootes". Bootes 1.6kB Verlängert man die Deichsel des großen Wagens nach unten, so kommt man zu einem sehr hellen, orange leuchtenden Stern: den Arcturus. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -0.04m ist er einer der fünf hellsten Sterne am gesammten Himmel.
Das Sternbild Bootes - manchmal auch "Bärenhüter" genannt - sieht aus wie eine aufrechtstehende Krawatte. Links daneben findet man das kleine Sternbild "nördliche Krone".

Loewe 1.6kB Der große Wagen kann benutzt werden, um noch ein weiteres Frühlingsternbild aufzufinden. Verlängert man die Vorderkante des großen Wagens, so glangt man zu Regulus, dem hellsten Stern im Sternbild Löwe. Der Löwe ist ein sehr einprägsames Sternbild. Es erinnert sehr stark an die Figur eines liegenden Löwen.

Fruehlingsdreieck 2.7kB Links neben dem Löwen liegt das Sternbild Jungfrau - ein sehr ausgedehntes Sternbild. Es ist nicht einfach dieses Sternbild vollständig zusammenzubekommen. Der hellste Stern in der Jungfrau ist Spica. Er hat eine scheinbare Helligkeit von 0.98m.
Die Gegend zwischen Jungfrau und Löwe ist reich an lichtschwachen Galaxien. Dort liegt der sog. Virgo-Haufen (ein Galaxienhaufen, der ca. 3000 Galaxien enthält).
Die Sterne Regulus, Spica und Arcturus werden oft auch als das "Frühlingsdreieck" bezeichnet.

Hercules 1.4kB Neben der nördlichen Krone findet man das Sternbild "Hercules". Es ist ein recht ausgedehntes Sternbild, das aber nur aus schwachen Sternen besteht. Der Hercules enthält nur Sterne 3. Größe und schwächer. Daher ist es für den Anfänger nicht immer leicht, dieses Sternbild zufinden. Im Sternbild Hercules befindet sich der Kugelsternhaufen M13. Er ist unter sehr guten Bedingungen bereits mit bloßem Auge zu sehen - in größeren Fernrohren (ab ca. 15cm Objektivöffnung) wird er dagegen zu einem wahren Prachtobjekt am Himmel!
Neben dem Herkules liegt das kleine Sternbild "Leier". Die Leier enthält einen sehr hellen, weiß leuchtenden Stern: die Wega. Sie hat eine scheinbare Helligkeit von 0.03m. Damit ist sie nur ein wenig schwächer als Arcturus im Bootes. Das Sternbild Leier ist leicht zu erkennen. Es sieht aus wie ein kleines Karo.


Die Sommersternbilder

Sommerdreieck 2.4kB Links neben dem Sternblid Leier findet man das große und recht auffällige Sternbild "Schwan". Der Schwan wird manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt. Er liegt mitten in der Milchstraße. Der Stern am oberen Ende des Sternbildes heißt "Deneb". Er bildet das Schwanzende. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie der Schwan mit ausgebreiteten Flügeln die Milchstraße entlang fliegt.
Unterhalb vom Schwan findet man ein weiteres, recht auffälliges Sternbild: das Sternbild "Adler". Der hellste Stern in diesem Sternbild heißt "Atair". Mit einer Entfernung von "nur" 16.5 Lichtjahren ist er einer der nächsten Sterne im Weltall.
Die Sterne Wega, Deneb und Atair werden auch als "das Sommerdreieck" bezeichnet, denn diese Sterne sind im Sommer am besten sichtbar.
Im Sommerdreieck findet man noch die kleineren Sternbilder "Pfeil" und "Delphin". Während der Pfeil ein recht unscheinbares Sternbild zwischen Schwan und Adler ist, kann man die Figur des Delphins relativ leicht erkennen.

Die Herbststernbilder

Herbststernbilder 2.8kB Das bekannteste Sternbild am Herbsthimmel ist die "Cassiopeia". Links unterhalb von ihr liegt das Sternbild "Perseus". Dieses Sternbild enthält relativ helle Sterne (ca. 2.Größe) und ist für Anfänger nicht ganz leicht aufzufinden. Im Perseus liegen zwei interessante Beobachtungsobjekte: die Sternhaufen "h und chi" und der Bedeckungsveränderliche Algol, dessen Lichtwechsel man leicht Beobachten kann. Die beiden Sternhaufen h und chi sehen mit bloßem Auge betrachtet wie zwei dicht beieinander liegende Nebelflecken in der Milchstraße aus. Aber schon im kleinen astronomischen Fernrohr werden sie zu einem Diadem am Himmel.
Benutzt man die rechte Hälfte der Cassiopeia als Pfeil und verlängert diesen nach unten, so gelangt man zum Sternbild Andromeda und dem berühmten Andromeda-Nebel. Im Gegensatz zu den hübschen Astro-Aufnahmen in Bilderbüchern sieht man den Andromeda-Nebel aber nur als blaßes Nebelfleckchen.
Das Sternbild Andromeda selbst sieht aus wie eine langgestreckte Sternenkette. Folgt man dieser Sternenkette in Richtung Osten, so gelangt man zum Sternbild "Pegasus". Dieses Sternbild sieht wie ein großes Viereck aus.
Unterhalb der Andromeda findet man zwei kleine Sternbilder: Es sind die Sternbilder "Dreieck" und "Widder".

Die Wintersternbilder

Wintersternbilder 4.5kB Die aufälligste Figur am Winterhimmel ist der Himmelsjäger "Orion". Das Sternbild spiegelt recht deutlich die Figur eines aufrecht stehenden Mannes wieder. Die drei aneinandergereihten Sterne in der Mitte des Sternbilds - Alnitak, Alnitam und Mintaka - bilden den Gürtel des Jägers. Unterhalb der Gürtelsterne, im "Schwert des Orion" erkennt man schon mit bloßem Auge einen blassen Nebelfleck, den "Großen Orionnebel" M42 - ein diffuser Gasnebel, indem auch heute noch neue Sterne entstehen. Der rechte, untere Fußsstern heißt "Rigel". Er ist einer der leuchtkräftigsten Sterne, die wir kennen (ein sog. "blauer Überriese"). Der linke Schulterstern des Orions heißt "Beteigeuze". Er ist ein "roter Überriese". Stünde er an der Stelle unserer Sonne, so würde er bis zur Jupiterbahn reichen.
Verlängert man die drei Gürtelsterne nach links unten, dann gelasngt man zu Sirius, dem hellsten Stern am Himmel. Sirius gehört zum Sternbild "Großer Hund". Von Mitteleuropa aus gesehen steht der große Hund immer tief über dem Horizont. In südlichen Breiten ist dieses Sternbild wegen seiner großen Anzahl heller Sterne ein recht auffälliges Sternbild.
Verlängert man die Gürtelsterne des Orion nach rechts oben, so kommt man zu einem ebenfalls sehr hellen, rötlich leuchtenden Stern: Aldebaran im Sternbild "Stier". Aldebaran liegt in einem offenen Sternhaufen, den "Hyaden". Er selbst gehört nicht mit dazu, denn er ist nur ein Vordergrundstern. Die Entfernung der Hyaden liegt bei ca. 150 Lichtjahren. Die Entfernung Aldebarans beträgt dagegen nur 68 Lichtjahre. Aldebaran und die Hyaden sind ein sehr schöner Anblick im Feldstecher.
Im Sternbild Stier findet man noch einen zweiten, sehr schönen offenen Sternhaufen: die "Plejaden" M45. Mit dem bloßen Auge kann man hier in der Regel 6 oder 7 Sterne erkennen. Manchmal werden sie auch als "Siebengestirn" bezeichnet. Die Plejaden befinden sich in einer Entfernung von ca. 410 Lichtjahren.
Links oberhalb vom Stier steht das Sternbild "Fuhrman". Es sieht aus wie ein Sechseck. Der helle, gelbe Stern an der oberen Spitze des Sechsecks heißt "Capella". Er ist vom gleichen Typ wie unserer Sonne - aber nur um einiges größer: Daher ist er in Wirklichkeit ca. 140 mal heller als die Sonne, obwohl er pro Oberflächeneinheit die gleiche Energiemenge abstrahlt. Im Fuhrmann findet man drei schöne offene Sternhaufen für kleine Fernrohre: M36, M37 und M38.
Neben dem Fuhrmann findet man das Sternbild "Zwillinge". Dieses Sternbild sieht aus wie zwei parallele Sternketten. Die hellen Sterne an den linken Enden heißen "Castor" (der Obere) und Pollux (der Untere). Am rechten Ende der oberen Sternenkette findet man den sehr schönen offenen Sternhaufen M35. Das Sternbild Zwillige kann man leicht finden, indem man eine Diagonale durch das Sternbild Orion zieht (von Rigel nach Beteigeuze), und diese dann nach links oben hin verlängert.
Unterhalb von den Zwillingen findet man das Sternbild "Kleiner Hund". Der hellste Stern in diesem kleinen Sternbild ist Procyon. Er gehört mit einer Entfernung von 11 Lichtjahren zur "Nachbarschaft" unserer Sonne.
Die Sterne Sirius, Rigel, Aldebaran, Capella, Castor und Procyon bezeichnet man auch als das "Wintersechseck".


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© Die AVG Internet-Redaktion, letzte Änderung: 08.04.2000