Erfahrungsbericht Refraktor-Selbstbau

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung




Oktober 1996

Als alter Quellebüchsenbesitzer hatte ich es nun endlich leid. Noch nie zuvor hatte ich soviel Sterne gesehen wie in dieser Nacht. Der Blick durch Matthias Elsens Refraktor mit 2“ Weitwinkelauszug verschlug mir den Atem.

Als gewöhnlicher Kaufhaus- Kleinoptiker war diese Nacht für mich die Nacht der Nächte und der Anfang eines eigentlich schon längst ausgestorbenen Hobbies.

Mein Kindheitstraum –Ein eigenes Fernrohr zu besitzen- rückte schlagartig wieder in mein Bewußtsein. Nichts war zur der Zeit stärker, als mein Drang in mir, jetzt endlich Schluß zu machen, mit dem Quelle Klapparatismus.

Der Geldbeutel jedoch war es, der mich dazu bewog, etwas selbst herzustellen. Aus der Literatur entnahm ich das 4“ für meine Beobachtungsmöglichkeiten völlig ausreichend waren. Wo bekomme ich jetzt ein Objektiv her? Ich fand zu diesem Zeitpunkt keins. Aber ich erfuhr vom „Telemator“. Dies ist eine kleine Optik von 63mm Durchmesser- mit hervorragenden optischen Eigenschaften. Fernrohre diesen Typs wurden in Schulsternwarten eingesetzt. Sie zeichnet sich durch beste Schärfeleistung aus -auch bei hohen Vergrößerungen! Die Optik bezog ich über Baader.

An dem Tag der Anlieferung schraubte ich sie gleich zum testen auf den Quelletubus. Angetan von der Ästhetik der dunkelrot schimmernden Spezialvergütung brauchte ich so schnell als möglich einen eigenen Tubus.

Gesagt getan bei Fa. Lünnemann gibt es Alu- Rohre in verschiedensten Ausführungen. Wichtig hierbei ist darauf zu achten, das es sich um eloxierbares Aluminium handelt.

Von einem Vereinskammerad erhielt ich die wichtigste technische Anleitung, zum Bau des Linsenfernrohres. Es handelt sich dabei, um eine Beschreibung zur Auslegung der Blenden.



Die optimale Fokussierlänge ermittelte ich mit einer Pappröhre. Das Objektiv paßte in diese genau hinein. Die Pappröhre diente mir also als Brennpunkt- Ermittlungsgehilfe ohne Theorie und nur mit Praxis. Ich ermittelte nur den kürzesten Abstand und den längsten Abstand zum Objektiv bei meinen 3 Okularen mit und ohne Zenitprisma. Mit diesen Daten konnte ich das Alu- Rohr dann auf die richtige Länge absägen.

Dank meiner feinmechanischen Ausbildung f war es mir ein leichtes die restlichen Teile selbst an Drehbänken und Fräsmaschinen herzustellen.




Dezember 1996: “first light“

In der ersten klaren Nacht richtete ich den kleinen Telemator im rohbauähnlichen Zustand auf den Orionnebel. Für mich, als abgeschatteten Revuenebel- Primitivaten prägte mich dieses Erlebnis wie bei Amstrong der erste Schritt auf dem Mond. Der Zugang zur instrumentellen Astronomie hatte begonnen.

Bis Februar 1997 wurden die Feinarbeiten vollendet und der Telemator im frischgeschwärzten Zustand in den Dauerbetrieb genommen.

(Telematorobjektiv im selbstgebauten Refraktor)




April 1997

Der innerliche Drang, einen eigenen Vierzöller zu besitzen, blieb. Angetan von den brillianten Refraktionsoptiken mußte ich was größeres haben. Und der Reiz ein doppelt so großes Rohr herzustellen, nachdem doch alles so gut geklappt hat, war da.

Schließlich bedeutet die Verdopplung des Objektivdurchmessers einen 4- fachen Lichtgewinn, da der Durchmesser quadratisch in die Objektivfläche eingeht.

Die Gelegenheit für ein Schnäppchen bot sich tatsächlich auf der ATT. Ich erwarb ein 100 mm Fraunhofer- Objektiv mit 1600mm Brennweite.

Von einem Fernrohrselbstbauer erhielt ich auf der ATT den Tip, den Rohrdurchmesser möglichst großzügig zu wählen, da ich dann mit weniger Blenden auskommen könne. Alu- Tuben schienen mir zu schwer bei einem 2mm starken Tubus von 1600 mm Länge hätte ich schon ein Rohgewicht von ca. 2kg. Außerdem ist der Preis recht hoch. Deswegen entschied ich mich für ein DN120 PVC- Rohr von Obi für 21,30 DM. Dieses Rohr wurde innen mit schwarzer Bastelpappe ausgelegt, die aufgrund ihrer rauhen Oberfläche erstaunlich wenig reflektiert. Der Außendurchmesser erhielt eine weiße selbstklebende Folie, ebenfalls aus dem Baustoffmarkt. Diese einfache Konstruktion ist perfekt und enorm günstig. Die Positionen der Blenden habe ich von außen angezeichnet und mit Madenschrauben befestigt. Da ich keinen Okularauszug hatte, mußte ich wieder an die Drehbank. Ich stellte gleich einen Auszug her der 2“ – Okulare aufnehmen kann. Ebend so habe ich wieder die Rohrschellen und Blenden, sowie die Linsenfassung für das Objektiv im Tubus selbst hergestellt. Ich berechnete das Rohr einmal für standard Okulare mit 31,8 mm Steckdurchmesser und für 50,8 mm Okulyten.

Nachdem alle Teile fertig waren begann die Montage und Funktionsprüfung.

Parallel hatte ich mir ein großes Hartholzstativ gebaut und eine klassische Deutsche Montierung erworben. Die Montierung paßte optisch exakt zu meiner alten, worüber ich mich sehr freue.

(Befestigung der Optik im Tubus)


(Okularauszug für den 4- Zöller)




Februar 1998: First Light


(Fraunhofer Refraktor Marke Eigenbau)

Bisher hatte ich noch keine Ahnung darüber wie gut sich die Optik bei Sternbeobachtungen bewähren würde. War sie ok, oder zeigte sie Bildfehler? Etwas nervös darüber, ob sich die Mühen gelohnt haben stellte ich wieder, wie schon letztes Jahr mit meinem kleinen Instrument, den Orionnebel ein. Bei 68- facher Vergrößerung war er noch im Gesichtsfeld. Das Trapez war deutlich zu erkennen. Einbuchtungen in dem Nebel sowie feine Strukturen wurden sichtbar. Helle Sterne hatten klare Beugungsringe und der Farbkontrast bei Doppelsternen ist überwältigend. Dies war dann ein gutes Zeichen. Die Optik funktionierte tadellos. Sehr helle Sterne oder der Mond hatten keinen Farbsaum oder Halo. Die Blenden waren also an Ihrer richtigen Stelle und die Bastelpappe sorgte für einen tief schwarzen Mondrand!

Mein Ziel war erreicht und die Refraktomanie konnte beginnen!

Das Zeitalter der Quelleschüssel war für mich für immer vorbei.

(fertig?)


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