Arten von Nebeln


Ursprünglich bezog sich das Wort "Nebel" auf alle ausgedehnten astronomischen Objekte ausser Planeten und Kometen. Der etymologische Ursprung des Worts "Nebel" bedeutet "Wolke". Diese alte Terminologie hat in der Astronomie bis heute überlebt. Dadurch kommt es gelegentlich Verwechselungen. Manchmal bezieht sich das Wort "Wolke" auf Galaxien, verschiedene Typen von Sternhaufen sowie auf verschiedene Arten von interstellaren Gas- und Staubwolken. Strenggenommen sollte der Begriff "Nebel" für Gas- und Staubwolken reserviert sein und nicht für Sterngruppen verwendet werden.

Bild von M51 bei seds.lpl.arizona.edu Galaxien

Zu Anfang dieses Jahrhunderts gab es eine grosse Debatte über die Natur von Nebel wie dieser, weil man sie damals noch nicht in Einzelsterne auflösen konnte. Dank Edwin Hubbles berühmter Veröffentlichung "Das Reich der Nebel" (engl.: "The Realm of the Nebulae") ist dieses Problem gelöst. Wir wissen jetzt, das diese Nebel in Wirklichkeit große Ansammlungen sind, die aus Milliarden von Sternen bestehen, sie sind viel weiter von der Erde entfernt sind als andere Nebel. Unsere Milchstrasse ist nur eine von Milliarden von Galaxien. Eine typische Galaxie hat einen Durchmesser von 100 000 Lichtjahren. Die Abbildung zeigt die Galaxie M 51. Im SEDS Messier Katalog finden Sie weitere Beispiele.

Bild von M13 bei seds.lpl.arizona.edu Kugelsternhaufen

Kugelsternhaufen sind durch Gravitation zusammengehaltene Gruppen aus vielen Tausend (manchmal sogar Millionen) Sterne. Sie bestehen hauptsächlich aus alten Sternen. Kugelsternhaufen sind nicht in der galaktischen Ebene konzentriert, sondern zufällig im Halo verteilt. Es gibt einige Hundert Kugelsternhaufen, die mit unserer Galaxis assoziiert sind. Ein typischer Kugelsternhaufen hat einen Durchmesser von ein paar Hundert Lichtjahren. Die hier gezeigte Abbildung zeigt den Kugelsternhaufen M 13. Im SEDS Messier Katalog sind weitere Beispiele enthalten.

Bild von M44 bei seds.lpl.arizona.eduOffene Sternhaufen

Offene Sternhaufen sind lockere Ansammlungen von Dutzenden oder Hunderten von junger Sternen. Sie werden in der Regel nicht durch Gravitation zusammengehalten. Daher lösen sie sich in kurzer Zeit (für astronomische Verhältnisse) auf. Öfters sind sie auch mit diffusen Gasnebeln verbunden. Man nennt sie auch "galaktische Haufen", weil man sie gewöhnlich in der Ebene der Milchstrasse findet. Ein typischer offener Sternhaufen hat einen Durchmesser von weniger als 50 Lichtjahre. Der hier gezeigte offene Sternhaufen trägt die Bezeichnung M 44. Weitere Beispiele finden Sie im SEDS Messier Katalog.

Emissions-Nebel

Emissions-Nebel sind Wolken aus heissem Gas. Die Elektronen der Gasatome werden durch UV-Photonen von nahen Sternen auf ein höheren Energieniveau gebracht ("angeregt", wie die Astronomen sagen). Fallen die Elektronen auf einen niedriegeres Energieniveau zurück, so senden sie Strahlung aus (ähnlich wie in einer Neonlampe). Diese Nebel sind in der Regel rot, und zwar wegen der Vorherrschaft der roten Emissionslinie des Wasserstoffs. Andere Atome erzeugen andere Farben, aber Wasserstoff ist bei Weitem das häufigste Element. Emissions-Nebel sind gewöhnlich die Gebiete, in denen auch heute noch Sterne geboren werden. Der hier gezeigte Emissions-Nebel heisst M 42.

Reflexions-Nebel

Reflexions-Nebel sind Wolken aus Staub, die das Licht eines nahen Sterns reflektieren. Reflexions-Nebel sind normalerweise auch Orte der Sternentstehung. Gewöhnlich sind Reflexions-Nebel blau, weil blaues Licht am stärksten gestreut wird. Reflexions- und Emissions-Nebel sieht man häufig zusammen und man bezeichnet beide manchmal als diffuse Nebel. Die nebenstehende Abbildung zeigt den Reflexions-Nebel NGC 7023.

Dunkelnebel

Dunkelnebel sind Wolken aus Staub und Gas im Milchstrassensystem, die das Licht von dahinter gelegenen Sternen absorbieren. Physikalisch ähneln sie sehr den Reflexionsnebeln. Die Wolken bestehen aus einer Mischung von Staubpartikeln und Gas und weisen im Ganzen etwa eine Zusammensetzung ähnlich der Standarthäufigkeit der chemischen Elemente im Weltall auf, mit 75% Wasserstoff, 23% Helium und einem Rest schwererer Elemente. Dunkelnebel sieht man häufig in Verbindung mit Reflexions- und Emissions-Nebeln. Ein typischer diffuser Nebel hat einige hundert Lichtjahre Durchmesser. Das Bild zeigt NGC 2264. Ein anderes Beispiel ist der Pferdekopf-Nebel.

Planetarische Nebel

Planetarische Nebel sind Hüllen aus Gas, die von einigen Sternen am Ende ihres Lebens abgestoßen werden. Unsere Sonne wird sich in ca. 5 Milliarden Jahren zu einem planetarischen Nebel entwickeln. Trotz ihres Namens haben planetarische Nebel nichts mit Planeten zu tun. Der Begriff wurde eingeführt, weil sie in kleinen Teleskopen den kleinen Planeten ähneln. Ein typischer planetarischer Nebel ist weniger als ein Lichtjahr groß (im Durchmesser). Die Abbildung zeigt den planetarischen Nebel M 57.

Supernova-Überrest

Supernovae entstehen, wenn ein massiver Stern sein Leben mit einer gewaltigen Explosion beendet. Für ein paar Tage emittiert eine Supernova dann genau soviel Energie wie eine ganze Galaxie. Wenn das alles vorbei ist, wird ein großer Teil des Sterns als Supernova-Überrest ins All geblasen. Das Bild zeigt den Supernova-Überrest M 1.
Anfang Einführung Bilder

© Bill Arnett 6. April 1995

Übersetzt mit freundlicher Genehmigung von Bill Arnett.